Tausend und eine Frau 1919

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This Text was Edited and Prepared by Sarah Clement Reed,
Brigham Young University

 
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TAUSEND UND EINE FRAU
 
ERSTER TEIL
 
REGIE: IWA RAFFAY
 

FABRIKAT:
 

 
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Der Film “Tausend und ein Frau”
ist kein abgeschlossenes Kinodrama im üblichen
Sinne.  Seine Asicht ist vielmehr,das wechselvolle
Spiel des Junggesellenlebns in Bildern aufzufangen
und die Schicksale verschiedener Menschentypen vor
uns aufzurollen.  Jeder Mensch ist auf der Jagd
nach dem Glück.  Doch nur der allein findet die
wahre Zufriedenheit, dessen Herz nicht in Eigenliebe
erstarrt, sondern de sein Leben in Liebe mit den
Seinen teilt.  In einem folgenden zweiten Teil
wird das Schicksal der handelnden Personen einem

logischen Abschluß entgegen gebracht werden.
 

 
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            Kurt von der Lohe gehört zu jenen Menschen, denen das Leben nie zu versagen scheint.  Er ist reich, so verbringt er seine Tage im eleganten Müßiggang, mit Sport, in Balllokalen und Sektgelagen im Kreise schöner Frauen und lustiger Freunde.  Doch, da er bei allem Leichtsinn ein denkender Mensh ist, so hat er auch Stunden, in denen das ganze oberflächliche Getriebe der Lebewelt ihm zuwider wird.  In einer solchen Stimmung kommte er wieder einmal auf das Gut seines Vaters.  Dort in der Nähe des Schlosses Lohhof, lebt der Dorfschullehrer Christians mit seinen beiden Töchtern Maria und Ruth.  Maria ist bereits glückliche Braut, Ihr Verlobter ist Heinrich, der begabte Sohn des Gutsverwalters Uthmann, der auf Kosten
 

 
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des alten Herrn von der Lohe im Geigenspiel ausgebildet wird.  Ruth, die Jüngere, ist noch ein halbes Kind.  Ihr liebliches, frisches Wesen macht auf den verwöhnten Kurt einen tiefen Eindruck.  Es fällt ihm leicht, das junge und unerfahrene Herz zu erobern.  Aus dem anfänglich tändelndem Spiel, wird Ernst.  Zum ersten Mal fühlt Kurt tiefe und echte Liebe, und der Wunsch, Ruth zu seinem Weibe zu machen, wird immer brennender in ihm.  Da platzt einer von Kurts Junggesellenfreunden – Herr von Kranich – mitten in das Idyll.  Herr von Kranich bemerkt sofort, daß es sich in diesem Falle nicht um eine von Kurts gewohnten Liebeständeleien handelt, sondern daß es diesmal wahrhaft “ernst” ist.  Vollter Besorgnis telephoniert er heimlich an den Junggesellenabenteuer zu verlieren – locken Kurt mit einer übermütigen, falschen Depeschenmeldung zurück.
 

 
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Der Scherz gelingt.  Kurt reist schleunigst von Lohhof ab, und trifft in seiner Wohnung statt der gemeldeten “Einbrecher”, die Schar seiner Freunde, die ihn bei halbgeleerten Sektflaschen, ausgelassen udn triumphierend umringt.  Zwar wehrt Kurt sich gegen die Bevormundung seiner Freunde – wohl fühlt er dunkel, daß sie ihn in ihrem egotistischen Uebermut von dem echten wahren Glück des Lebens zurückhalten – da bringt ein kleines unbedeutendes Abenteuer alle seine gesunden Vorsätze ins Wanken.  Er steht des abends nach Schluß der Oper von dem Portal des Hoftheaters und wartet auf seine Freunde.  Ein Equipage hält vor ihm und eine faszinierend, elegante Frau von fremdländischem Reiz kommt langsam die breite Freitreppe herab.  En schräger Blick flieht über den kostbaren Pelz zu Kurt hinüber, ein Spitzentüchlein fällt wie zufällig vor seine Füße.  Dann rollt die Equipage mit der schönen Unbekannten davon.  Regungslos starrt Kurt ihr nach, träumerisch atmet er den Duft des Tückleins ein.  Die große Welt hat ihn wieder mit einem Hauche berührt.  Vergessen ist der gesunde Frieden draußen auf dem Lande – vergessen das liebe, kleine Mädel, die Ruth – der alte Leichtsinn kommt wieder über
 

 
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ihn.  Seine Freunde haben ihn zurückgewonnen und Kurt nimmt sein altes, tolles Leben wieder auf.
            Vergnügungen und Auslandsreisen, damit füllt er die nächsten Jahre seines Lebens aus.  Zwar sieht er die reizvolle Unbekannte vom Portal des Opernhauses nicht wieder, doch gibt es noch schöne Frauen genug, dene er zugetan ist, ohne ihnen doch ganz sein Herz zu schenken.  Zu ihnen gehörte auch die elegante Sängerin Marloff, welche viele Jahre hindurch seine Geliebte ist.  Hier und da tauchen in seinem, nur den Vergnügungen gewidmeten Dasein Gestalten auf udn verschwinden wieder, die zu ih nur in flüchtigem Zusammenhange stehen, deren Schicksal wir aber in wechselnden Bildern verfolgen können.

            Da ist sein Sekretär, der vor lauter Sparen und Rechnen das Glück an sich vorüber ziehen läßt und ein einsamer Junggeselle bleibt.  Da ist der Schauspieler Carell, der sich von kleinen Schmieren in die Höhe gearbeitet hat, weil er in brutalem Egoismus die Frauen anderer für sein Pläne ausnutzte.  Da ist Lotte,
 

 
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die Modistin, welche einst in ihrem Dachstübchen in seeligem Liebesglück sich Kurt hingab.  Als sie ein Kind erwartete, trennte er sich vor ihr.  Seine Geldhilfe wies sie aber zurück.  So sinkt sie tiefer und tiefer ins Elend und beschließt in einer dunklen Nacht sich mit ihrem Kinde ins Wasser zu stürzen.  Sie wird zwar davor bewahrt, doch nur um in desto größeres Elend zu sinken.  Sie gerät in die Hände gewissenloser Menschen, verkommener Existenzen, und endent schließlich in einem zweifelhaften Balllokal.  Von der raffiniertesten Eleganz der großen Welt und dem Dunkel verrufenster Großstadtgassen heben sich um so heller die Bilder aus einer glücklichen Häuslichkeit ab.  Der Kapellmeister Heinrich Uthmann und seine Frau Maria leben
 

 
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in glücklicher und friedlicher Ehe und sind voller Freude über ihre drei reizenden Kinder.
            Auf einer seiner großen Auslandsreisen trifft Kurt von der Lohe durch Zufall die rätselhafte Unbekannte, deren Spitzentüchlein er stets wie einen Talisman bei sich trug.  Schwüle Liebesstunden verlebt nun Kurt in dem mit exotischer Pracht ausgestattetem Palast der Prinzessin Yengiri . . . .
 

            Jahre sind vergangen.  – Kurt von der Lohe ist nach langer Abwesenheit wieder in sein elegantes Junggesellenheim zurückgekehrt.  Sein Bruder Harro, ein wilder, hübscher Knabe von 17 Jahren, welchen er in seiner Nähe in ein Pensionat untergebracht hat, verbringt manche Stunde mit ihm.  Kurt kann es nicht hindern, daß die Prinzessin den Bruder kennen lernt.  Es fällt ihr nicht schwer, den unerfahrenen jungen, leidenschaftlichen
 

 
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Menschen an sich zu fesseln und Harro entbrennt in erster, heftiger Leidenschaft zu der betörenden Frau.

            Die Prinzessin Yengiri ist es auch, welche in die glückliche Ehe Heinrichs und Marias die erste Störung bringt.  Es reizt
 

 
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sie, auch den jungen Kappelmeister an sich zu locken.  Anfangs widersteht Heinrich noch der Versuchung, doch auf einem galanten Schäferfest, das die Prinzessin in ihrem Rokoko-Park gibt, erliegt auch er ihrem verwirrenden Reiz.  Kurt von der Lohe ist dem Feste fern geblieben, doch sein Bruder Harro schleicht sich heimlich
 

 
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in den Park, belauscht die Prinzessin und den Kapellmeister und tötet sich aus Eifersucht.  Jäh wird das Fest gestört.  Heinrich flieht voller Entsetzen.  Das Glück seines Lebens scheint zerstört.  Doch wird er durch die aufopfernde Liebe seiner Frau dem Leben und seiner Ehe glücklich wiedergewonnen.

            Tieferschüttert durch den Tod des Bruders, sucht Kurt Teilnahme und warmes Mitgefühl bei seiner Geliebten, der Sängerin Marloff.  Doch achselzuckend wendet sie sich von ihm “Frauen wie ich, sind doch nur zu eurem Vergnügen da.  Wie kannst du Teilnahme von mir verlangen.”  Da begreift Kurt, daß er in seinem
 

 
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Egoismus sein Leben vergeudet hat.  Er wollte sich nicht fesseln, seine Freiheit nicht dem Glück der Ehe opfern.  Nun geht er einem einsamen, liebeleeren Alter entgegen.

Bibliographic Information
Author: 
Publication Date: 
1919
Number of Pages: 
1 page(s)