Drohende Wolken am Firmament

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   Auf der Bühne Hamlet.
            Der Vorhang fällt, große Pause.  Alfred verläßt mit seinen Freunden, unter ihnen sein Jugendfreund Hans, die Loge.  Jemand bringt das Gespräch auf den Einbrecherkönig Ratiro, den man heute gefangen hat.  Alfred meint, der Verbrecher sei nicht schlau genug, daß er sich hat fangen lassen.  Aus dem lebhaften Widerstreit der Meinungen, der sich nun entwickelt und in dem der Arzt an seiner Ansicht festhält, geht eine Wette hervor, derzufolge er es unternimmt, einen Einbruch zu verüben mit der Verpflichtung, sich nicht erwischen zu lassen.


            Der Absicht folgt sehr bald die Ausführung.
            Ein Rechtsanwalt aus dem Kreise seiner Freunde führt den jungen Arzt noch am selben Abend in eine Verbrecherkneipe ein, wo er den “langen Heinrich” und andere Dunkelmänner kennen lernt.  Mit ihm und einem anderen Spießgesellen wird verabredet, bald “ein Ding zu drehen”.
            Hans, der in Alfreds Haus ein- und ausgeht, überlegt, ob er Fern, der Gattin seines Freundes, die er selbst liebt, davon Mitteilung machen soll.  Vielleicht, daß sie dann aus ihrer kühlen, korrekten Freundlichkeit ihm gegenüber heraustritt.
            Der Arzt verübt getreu seiner Wette den Einbruch, wobei die Polizei den langen Heinrich und seinen Kumpan ertappt und verhaftet; Alfred gelingt es zu entfliehen.  Bei dieser Flucht verliert Alfred seine Brieftasche, die von Hans gefunden wird.  Hans hat damit eine Waffe in die Hand bekommen.  Er nimmt sich vor, diese als Beweismittel Alfreds Gattin gegenüber zu gebrauchen und hofft so den letzten Widerstand bei ihr zu überwinden.

            Er begibt sich, nachdem er telefonisch erfahren hat, daß Alfred nicht zu Haus ist, zu Fern und überrumpelt sie mit seiner Mitteilung, daß ihr Mann ein Doppelleben als Einbrecher führt.
 

 
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Fern ist ensetzt und sucht an dem alten Freund eine Stütze.  Nun glaubt Hans einen großen Vorprung zu haben und gibt ihr seine Foderung zu verstehen.
            “Wenn nicht, übergebe ich dies Material der Kriminalpolizei.”
            Fern bricht vernichtet zusammen.  Furcht vor Hans und Angst um den Gatten versagen ihr die Kraft geharnischter Antwort.  Alle Überredungskunst, alle Mittel, Zudringlichkeiten und Drohungen jedoch vermögen nicht die gequälte Frau gefügsam zu machen.
            Als der zudringliche Freund sieht, daß er die Situation auf die Spitze treibt, steckt er die Tasche wieder ein.

            “Ich bin übermorgen Abend im Theater.  Sollten Sie sich bis dahin entschlossen haben, die Brieftasche in meiner – – – Wohnung persönlich abzuholen, so erscheinen Sie bitte zum Zeichen dessen in der gegenüberliegenden Loge rechts.  Ich habe die Ehre, gnädige Frau.”
 

 
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            Damit verläßt er das Haus, in dem die gepeinigte Gattin allein zurückbleibt, während ihr Mann ahnungslos seinem Zeitvertreib nachgeht.  Er hat am Einbrechen Interesse gefaßt und sich vorgenommen, wieder einmal eine so gefährliche Fahrt zu wagen, nachdem die letzte so gut für ihn abgelaufen war.
            So sucht Fern am Bettchen ihres kleinen Bubi Trost, indeß der Vater in der Kaschemme sitzt und erfährt, daß der lange Heinrich wieder entlassen ist und bald kommen muß. – –
            Zwei Tage später sitzt Hans aufgeregt im Theater, gespannt auf die Gegenloge blickend.  Ob sie wohl kommt? – Noch sind die Sessel frei.
            Kurz vor Beginn des Vorspiels aber kommt Fern in Begleitung ihrer Zofe.  Sie benutzt die große Pause, um im Vorraum der Zofe ihren eigenen Mantel umzuhängen, schickt dann die Zofe in die Loge zurück und verläßt das Vestibül, sich an den Theaterportier wendend, einen Wagen zu rufen.

            Währenddessen streicht Alfred als Ede vermummt um das Theater, ohne zu wissen, daß seine Frau der Vorstellung beiwohnt.  So kommt es, daß er ihr, die tiefverschleiert und im Mantel der Zofe auf das Auto zutritt, den Schlag öffnet und von ihr ein Trinkgeld erhält.  Dabei hört er, daß die verschleierte Dame dem Lenker die Wohnung seines Freundes Hans als Ziel der Fahrt angibt.
 

 
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            Fern rollt im Wagen davon, in Alfreds Sinn aber wirkt der Vorgang nach und plötzlich kommt ihm die Idee, bei Hans einzubrechen.  Warum nicht?  Das ist eine Aufgabe, die ihn doppelt reizt.
            Fern gelangt an die Villa, wird vom Diener empfangen und eingeführt.  Alfred hat ebenfalls das Haus erreicht und streicht um das Gebäude, einen passenden Eingang zu suchen.  Durchs Fenster erblickt er die verschleierte Dame, Fern nimmt jetzt den Schleier hoch und Alfred erkennt zu seiner Bestürzung seine Frau.  Das Heranrollen eines Wagens gebietet ihm in diesem Moment sich zurückzuziehen und Deckung zu suchen.  Hans kommt an, geht ins Haus und begrüßt Fern.  Alfred schwingt sich durchs Fenster in ein Nebenzimmer, und hört wie seine Frau das belastende Beweisstück verlangt.  Mit großer Schnelle geht das erregte Wortspiel hin und her, in dem Hans seine Bedingung wiederholt.  Als nun Hans trotz Ferns Gegenwehr zudringlich wird, springt der Gatte dazwischen, Wort gibt Wort, Zorn spüht auf, Fern verläßt die Männer und begibt sich nach Haus.  Alfred bleibt nach erregter Aussprache nichts übrig als den Frend zum Duell zu forden.
            So ist alles ganz anders gekommen, als menschliche Berechnung sich dachte.
            Fern sieht ihr Lebensglück vernichtet, such letzten Trost am Lager ihres Kindes, des einzigen Wesens, das ihr treu geblieben.
            Der frühe Morgen bringt nach schlafloser Nacht für die Beteiligten den Austrag der Forderung.

            Die Zofe geht mit Bubi spazieren.  Dem harmlosen Kindergemüt trübt nichts die Freude am Spiel, ein Pony wird gesattelt, Bubi reitet in den Wald und ist bald den Blicken der Zofe entschwunden, die sich in Angst
 

 
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um das Kind nach dem Gusthof zurückwendet, um die Mutter und das Gesinde zu verständigen.

            Auf der Lichtung stehen sich die Duellanten gegenüber, Freunde sekundieren.  Trüber Nebel hängt in den Wipfeln der Bäume.  Alfred hebt die Waffe und zieht an –
 

 
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plötzlich kommt Bubi, den Papa erblickend angaloppiert, das Pony nimmt mitten durch die Duellanten seinen Weg – der Schluß fällt unglücklicherweise das Kind, das zusammenbricht.  Nichts Gutes ahnend eilt Fern und die Zofe, die im Walde suchten herbei und die arme Mutter kommt gerade zurecht, ihr getroffenes Kind in die Arme zu nehmen.  Der Arzt legt den ersten Verband an.
            Bald stellt sich heraus, daß das Kind lebt.  Es wird von Fern, der Zofe und einem Arzt sorgsam gepflegt, während Fern ihrem Manne keinen Zutritt zum Krankenzimmer gestattet.  Da er keine Möglichkeit sieht, sich mit seiner Gattin zu verständigen, bittet er den Kollegen, der Bubi behandelt, um Vermittlung.  Dieser bringt zustande, daß Hans seinen Duellgegner besucht, und daß er seine Schuld bekennt, wobei auch Fern den ganzen Sachverhalt erfährt.
            Als Fern vernimmt, daß die Sache nur eine Wette war, lacht sie höhnisch auf und sagt, daß sie für den Mann, der Ehre und Familie so leichtfertig aufs Spiel setzt, nun erst recht nichts übrig habe.  Empört läßt sie beide Herren allein und zieht sich in ihr Zimmer zurück.
            Trotz allem was vorgefallen, kann sie sich nicht niederlegen, ohne das Bild des einst so geliebten Mannes lange zu betrachten.
            Das Eintreten der Zofe zu so ungewöhnlicher Nachtzeit schreckt Fern aus ihren dumpfen Sinnen.
            “Bubi muß sehr krank sein, gnädige Frau, er ist wach, liegt wühlend in seinen Kissen und stöhnt.”
            Als Fern an das Bett geeilt ist, kann sie nur feststellen, daß das Mädchen recht hat.  Der Knabe fiebert und fantasiert.  Ihren Gatten zu rufen kann sie sich nicht überwinden.  Einen Arzt telefonisch zu bitten gelingt nicht.  Die Leitung ist gestört.
            So läßt die besorgte Mutter in Hast ein Pferd satteln und reitet durch den grauenden Morgen in rasendem Galopp.  Nur Rettung, Hilfe für ihr einziges, letztes, was ihr geblieben ist.  “Nur das nicht, o Gott, straf mich nicht so, nur das nicht – – –.”
            Während Fern durch den Wald galoppiert, eilt Alfred ins Kindersimmer, zu dem ihm die Zofe, getreu der Weisung ihrer Herrin, den Zugang verwehren will.  Er ahnt, was vorliegt, stößt sie zurück und eilt an das Krankenbett seines Kindes.  Er untersucht es, gibt Anweisungen an die Dienerschaft, erkennt, daß nur sofortige Hilfe in letzter Minute noch Rettung bringen kann und zögert nicht, die Operation sofort auszuführen.
            Unterdeß ist Fern an Ort und Stelle angelangt, hat den Arzt in Hast orientiert, so daß nach kurzer Zeit das Doktorgespann den Weg zurückrast, und als Alfred das operierte Kind in das Bettchen zurückgelegt hat, betritt der geholte Arzt und die in Angst und Sorge vergehende Mutter das Zimmer.
            Nach kurzer Untersuchung und Verständigung mit Alfred kann der Doktor nur sagen: “Ihr Gatte, gnädige Frau, hat dem Kinde das Leben gerettet.  Es bleibt mir – glücklicherweise – nichts mehr zu tun.”
                                    Befreit ist Fern von der quälenden Angst,
                                    Enthoben der lastenden Sorgen.
            Wie ein Wildbach in elementarer Wucht aller Hindernisse spottet, die sich ihm entgegenstellen, reißt ihre Empfindung alle Schraken nieder, die – wirklich oder eingebildet – zwischen ihr und dem geliebten Manne, der ihr Kind gerettet hat, bestanden haben.  Versöhnt sinkt sie ihm an die Brust.

Bibliographic Information
Author: 
Editor: 
Fern Andra
Publication Place: 
Berlin Germany
Number of Pages: 
5 page(s)
Press: 
Fern-Andra-Film-Co.