An George Sand (Poem)

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This text comes from a collection of German-speaking women's literature entitled "Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe. Herausgegeben und eingeleitet von Gisela Brinker-Gabler." This text was graciously donated to the Sophie library by Gisela Brinker-Gabler.

The Foreword and Introduction may be read HERE.

Du bist erhöht und in den Staub getreten,
Gekrönt mit Ruhm, gezeichnet mit Verhöhnung, 
Für Tausende und dich ist nie Versöhnung, 
Und dir zu nahen, würden sie erröthen.

Ich nahe dir – ich biete dir die Rechte, 
Ich liebe dich und will es frei bekennen. 
Nimm meine Hand zum Bund – nicht soll uns trennen, 
Was ich an dir verlöscht, vergessen möchte.

Wenn du nicht bist wie wir, und nicht ertragen 
Und lächeln willst, es ist nicht dein Verschulden;
Du kannst es nicht. Drum kämpfst du, wo wir dulden, 
Und sprengst die Fesseln, die wir still ertragen. 

Wohl hast du viel gefehlt in irrem Streben,
Hast manche Schranke frevelnd überschritten, 
Die heilig ist; allein auch viel gelitten, 
Und deinem Schmerze kann ich viel vergeben.

Doch Jene, die dich richten und verdammen,
Was wissen sie von dir und deinem Geiste? 
Schlug in ihr Herz, das öde, das vereiste,
Ein Funken je von deines Herzens Flammen?

Durchreißt ihr Blick die Sonne, die sie blendet? 
Verstehen sie, der Armuth bleiche Hüter, 
Den Reichen wohl, der, stolz auf seine Güter, 
In kühnem Uebermuth sie frei verschwendet?

Und hat ihr Herz aus Wunden je geblutet, 
Wie tückisch sie verhüllte Feinde schlagen? 
Und ist ihr Herz in todesdunkeln Tagen 
Von namenlosen Thränen überflutet?

Gewiß, sie müssen, fest, in Einem Bunde,
Abwehren dich von ihrem kalten Leben,
Denn ihre Seele könnte ja erbeben 
Von einem Liebeshauch aus deinem Munde.

Bibliographic Information
Number of Pages: 
1 page(s)

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