Der Friedenswille der schwarzen Frau

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Rede gehalten auf dem III. Kongreß der Internationalen Frauenliga für Frieden, Freiheit in Wien.

Frau Präsidentin und geehrte Damen dieses Bundes

Ich komme heute zu Ihnen, um für die Frauen meiner Rasse zu sprechen, um hier in diesem Weltpalament, so gut ich es kann, ihre unsagbare Sehnsucht nach Frieden und Brüderlichkeit auszudrücken, die alle Rassen einschließen und immerwährend dauern sollen. Wir wünschen einen auf Gerechtigkeit gegründeten und gegen Gesetzwidrigkeiten jeder Art gesicherten Frieden.

Das Herz- der zivilisierten Menschheit ist bis ins Innerste von Mitgefühl für Belgien aufgewühlt worden, weil seine Bewohner gezwungen waren, gegen überlegene Kräfte zu kämpfen. Aber sie kämpfen in Ehren, mußten wofür sie kämpften und wurden wegen ihrer Taten geachtet. Mit uns verhält es sich anders.

In erster Linie wußten die meisten der schwarzen Soldaten, welche in Frankreich kämpften, nicht wofür sie kämpften. Und diejenigen, welche den Endzweck begriffen, bekamen in jedem Augenblick dieses großen Streites ausreichend Fingerzeigen, die sie fühlen ließen, daß wie immer der Krieg enden würde, die Sache selbst mißlingen werde, soweit ihre eigene Rassengruppe in Betracht kämen.


Mein Gatte wurde während des Krieges zum bevollmächtigten Minister undGeneralkonsul der Vereinigten Staaten in Liberia bestellt. Er wurde gefährlich krank. Eine Operation wurde dringend nötig und das staatliche Spital in Freetown, Sierra Leone, war dafür der nächste geeignente Ort. Ich brachte ihn auf einen englischen Dampfer dahin, und nachdem wir länger unterwegs waren, als man gewöhnlich für diese Fahrt braucht, mußte mein armer Mann vier Stunden in der fürchterlichen Glut der tropischen Sonne draußen warten, ohne daß ihm von Seiten der Spitalverwaltung die geringste Aufmerksamkeit geschenkt wurden wäre, obschon ich dreimal ging und unter Tränen bat, ihn hereinzuholen.Und das alles,weil er ein Fabiger war und weil sie ihn für einen Missionär und Vertreter Christi hielten, während er ein Regierungsbeamter und Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika war. Als er aufgenommen wurde, überlebte er die Operationur um wenige Stunden.

Und in Freetown sah cih auch den tiefen Kummer des afrikanischen Weibes. Ich sah sie beim Auslaufen der mächtigen Schiffe, die ihre geliebten Männer fortführten, damit sie die Schlachten des weißen Mannes schlagen sollten. Sie folgten ihnen zur Rede und sahen, wie sie eingeschifft wurden. Sie winken ihnen ein hoffnungsloses Lebewohl zu; denn keine Nachricht würde je wiede kommen, wie es ihnen auswärts gegangen sei, und wenige würden je heimkehren, um die Geschichte des Grausamen Konflikts zu erzählen. ( Tausende von ihnen konnten die traurige Nachricht nicht einmal lesen) Während die Schiffe die Anker lichteten, setzten diese eigeborenen Weiber, sich in der brennenden Sonne am Strand nieder, die meisten unbekleidet, die Kinder auf den Rücken geschnallt, und rangen vor Kummer ihre Hände. Ich beobachtete sie, wie sie ihre Leiber hin und her wiegten unter Seufzern, die bis zum Abend zu hören waren. Dann
kehrten sie am Abend in ihre Hütten zurück und wer kann sagen, um wieviel schwärzer solch eine Nacht für sie sein mußte, als selbst die Nacht des Heidentums. Das afrikanische Weib möchte solche Dinge nicht wieder erleben. So bin ich heute hier um vor Ihren seinen Wunsch nach einem daternden Frieden auszudrücken.

Kaum hatte ich den Ozean durchquert und meine Pflichten hinter der französischen Front aufgenommen, so begegnete ich dem Rassenhaß. ( Züchter von Kriegen) in seiner bösartigsten Form.

Es war den Farbigen nicht gestatet, mit anstänigen weißen Frauen zu sprechen. Sogar ihre schnutzigen Kleidern wurden auf Befehl der militärischen Behörden durch Vermittlung weißer Männer der Wäscherei übergeben. Während dessen wurde alles Mögliche getan, um unseren weißen Soldaten reinliche und zuträgliche Erholung zu verschaffen.

Gott gebe, daß der Krieg unter den Nationen eingestellt werde, bis alle solche Ungleichheiten durch eine vollkommende Handhabung des Friedens erlöschen, Zweimal versuchten weiße Männer, die die gleiche Uniform wie ich trugen, mich in öffentlichen Wagen durch beleidigende Bemerkungen zu demütigen.

Bei der ungemein wichtigen doch, so schwierigen und ungesunden Arbeit der Wiederbeerdigung unserer toten Soldaten bewährten unsere farbigen Krieger eine bemerkenswerte Standhaftigkeit, indem sie ihr Werk fortsetzten, während die Weißen dies zu tun verweigerten. Zwei Monate lang lebten tausende Schwarze in Sanitätswidriger Lage und in dem Gestank eines neun Monate alten Schlachtfeldes, früh und spät an der Arbeit, bis 26,000 verwesende Leichen ausgegraben, in neue Särge gebettet und in einen ordentlichen Friedhof beigesetzt waren. Diese schreckliche Zeit bleibt mir als perönliche Erfahrung für immer unvergeßlich.

Wenn das Vorurteil so weit geht, daß die Kameratschaft unter Waffengefährten aufgehoben wird, so gelangen ich fast notgedrungen zum Schluß, daß es keinen wirklichen Frieden in der Welt geben kann, solange nicht das Rassen [ ]selbst entwaffnet und besiegt ist.

Noch ein Beispiel und ich bin fertig. Die unfreundliche Kränkung wider fuhr unseren Jungen, als die militärischen Behöhrden, die fortwährend angegangen wurden, einen Erholungsraum für sie einzuchten, wie ihn die weißen Soldaten schon während der ganzen Kriegsdauer genossen, diesen auch schufen. In diese eigerichteten Heime durften farbige Soldaten nur nie und da während des Urlaubes eingelassen werden und auch dann nur zu Belohnung für irgendeine schwierige Waffentat. Diesem Ansuchen wurde erst willfahrt, als der Waffenstillstand unterzeichnet war. Aud Befehl wurde die Retablierungsstation in Chambern von den weißen Soldaten geräumt, und wir erhielten den Auftrag, dahin zu gehen und das Lager für den Empfang der farbigen Soldaten herzurichten. Bei unserer Ankunft erfuhren wir, daß weiß Offiziere sich’s hatten angelegen sein lassen, die Bürger dringend von der Zuchtlosigkeit der einrückenden farbigen Soldaten zu warnen. Sie wurden als ungezähmte Räuber und Diebe hingestellt. Den kleinen Geschäftsleuten sagte man, sie sollten auf ihre Waren wohl acht geben, wenn die Farbigen einkaufen kämen. Den Müttern sagte man, ihre Töchter würden geschändet werden, wenn sie sich alleine auf die Straßen wagten. Wir waren fünf Monate dort. Während dieses Zeitraumes kamen tausende Männer dahin verweilten daselbst und gingen ab, und als die Retablierungsstation endlich geschlossen wurde, war kein einzieger Diestahlt , kein Raub, keine Entführung verübt worden, und die Bürger ließen durch den Bürgermeister ihr Vertrauen in die Ehrenhaftigkeit und Tapferkeit der farbigen Soldaten ausdrücken. Ich trete heute im Ramen dieser Männer dafür ein, daß alle Sationen den Krieg zum mindesten bis dahin einstellen sollten, bis Waffenkameraden es gelernt haben, als Brüder zu kämpfen. Der Krieg ist für alle fürchterlich aber furchtbarer für zurückgesetzte Klassen und Völker.

Bibliographic Information
Author: 
Publication Date: 
1921
Publication Place: 
Wien
Number of Pages: 
1 page(s)
Press: 
III. Kongreß der Internationalen Frauenliga für Frieden, Freiheit in Wien