Pages 344 - 425

in Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Collection of Poetry)
by Gisela Brinker-Gabler

Print Version | View all on one page

[344]


345

NELLY SACHS
(1891-1970)

brink344Wie Gertrud Kolmar wuchs die Jüdin NelIy Sachs als wohlbehütete Tochter im wilhelminisch-großbürgerlichen Milieu Berlins auf, um dann Schrecken und Terror des Nazi-Regimes zu erfahren. Im Frühjahr 1940 gelang ihr zusammen mit ihrer Mutter die Flucht nach Stockholm. Die Rettung verdankte sie der Fürsprache der schwedischen Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf, mit der sie seit 1907 Briefe gewechselt hatte.

Das im Exil begonnene Gedichtwerk entstand unter dem Eindruck der sich häufenden Todesnachrichten von Freunden und Verwandten. Schreiben bedeutete für sie die Möglichkeit, aus dem sprachlosen Entsetzen herauszufinden.

Nelly Sachs schrieb neben Gedichten auch Mysterienspiele und szenische Dichtungen und machte sich einen Namen als Übersetzerin schwedischer Lyrik, von der sich ihr dichterisches Schaffen ebenso beeinflußt zeigt wie von altjüdischer Tradition und religiöser Mystik.

1966 erhielt sie gemeinsam mit dem israelischen Dichter Agnon den Literaturnobelpreis.


346

Es gibt Steine wie Seelen.
Rabbi Nachman

AN EUCH, DIE DAS NEUE HAUS BAUEN

Wenn du dir deine Wände neu aufrichtest –
Deinen Herd, Schlafstatt, Tisch und Stuhl –
Hänge nicht deine Tränen um sie, die dahingegangen,
Die nicht mehr mit dir wohnen werden
An den Stein
Nicht an das Holz –
Es weint sonst in deinen Schlaf hinein,
Den kurzen, den du noch tun mußt.

Seufze nicht, wenn du dein Laken bettest,
Es mischen sich sonst deine Träume
Mit dem Schweiß der Toten.

Ach, es sind die Wände und die Geräte
Wie die Windharfen empfänglich
Und wie ein Acker, darin dein Leid wächst,
Und spüren das Staubverwandte in dir.

Baue, wenn die Stundenuhr rieselt,
Aber weine nicht die Minuten fort
Mit dem Staub zusammen,
Der das Licht verdeckt.


347

O DER WEINENDEN KINDER NACHT

O der weinenden Kinder Nacht!
Der zum Tode gezeichneten Kinder Nacht!
Der Schlaf hat keinen Eingang mehr.
Schreckliche Wärterinnen
Sind an die Stelle der Mütter getreten,
Haben den falschen Tod in ihre Handmuskeln gespannt,
Säen ihn in die Wände und ins Gebälk –
Überall brütet es in den Nestern des Grauens.
Angst säugt die Kleinen statt der Muttermilch.

Zog die Mutter noch gestern
Wie ein weißer Mond den Schlaf heran,
Kam die Puppe mit dem fortgeküßten Wangenrot
In den einen Arm,
Kam das ausgestopfte Tier, lebendig
In der Liebe schon geworden,
In den andern Arm, –
Weht nun der Wind des Sterbens,
Bläst die Hemden über die Haare fort,
Die niemand mehr kämmen wird.

 

EINSAMKEIT

Einsamkeit lautlos samtener Acker
aus Stiefmutterveilchen
verlassen von rot und blau
violett die gehende Farbe
dein Weinen erschafft sie
aus dem zarten Erschrecken deiner Augen –


[348]


349

ELISABETH LANGGÄSSER
(1899-1950)

brink348Elisabeth Langgässer wurde in Alzey, Rheinhessen, geboren, wuchs in Darmstadt auf, wurde Lehrerin und lebte seit 1929 in Berlin. Dort gehörte sie zum Kreis um die Zeitschrift "Kolonne" (Günter Eich, Peter Huchel) und lernte Wilhelm Lehmann kennen, der damals vor allem als Lyriker von bedeutendem Einfluß war. Elisabeth Langgässer veröffentlichte insgesamt drei Gedichtzyklen, "Der Wendekreis des Lammes" (1924), "Die Tierkreis-Gedichte" (1935) und "Der Laubmann und die Rose", die in ihrer Metaphorik den christlichen Kosmos, die magisch gesehene Natur und die heidnische Antike einbeziehen.

Elisabeth Langgässers umfangreiches Werk, zu dem neben Lyrik auch Romane und Erzählungen gehören, entstand unter starken inneren Spannungen. "lmmer mehr fühle ich freilich erst, was es heißt, eine Kerze an beiden Enden anzuzünden", mit diesen Worten der amerikanischen Dichterin Edna St. Vincent Millay bezeichnete sie selbst ihre Situation. Sie hatte Gewissenskonflikte, da ihr unbändiger Arbeitswille ihr nicht genügend Zeit für die Familie, vor allem für ihre vier Töchter ließ. Hinzu kam der Druck der äußeren Verhältnisse. 1936 erhielt sie als Halbjüdin Schreibverbot, 1944 wurde sie dienstverpflichtet, nur ihre Ehe mit einem "Arier" bewahrte sie vor Schlimmerem. Ihre älteste Tochter wurde ins KZ gebracht, erst 1947 erfuhr sie von ihrer Rettung. Während des zehnjährigen Schreibverbots entstand unter anderem der Roman "Das unauslöschliche Siegel", der sie nach seiner Publikation 1946 für kurze Zeit zur bekanntesten Dichterin im Nachkriegsdeutschland machte.


350

FRÜHLING 1946

Holde Anemone,
Bist du wieder da
Und erscheinst mit heller Krone
Mir Geschundenem zum Lohne
Wie Nausikaa?

Windbewegtes Bücken,
Woge, Schaum und Licht!
Ach, welch sphärisches Entzücken
Nahm dem staubgebeugten Rücken
Endlich sein Gewicht?

Aus dem Reich der Kröte
Steige ich empor,
Unterm Lid noch Plutons Röte
Und des Totenführers Flöte
Gräßlich noch im Ohr.

Sah in Gorgos Auge
Eisenharten Glanz,
Ausgesprühte Lügenlauge
Hört ich flüstern, daß sie tauge,
Mich zu töten ganz.

Anemone! Küssen
Laß mich dein Gesicht:
Ungespiegelt von den Flüssen
Styx und Lethe, ohne Wissen
Um das Nein und Nicht.

Ohne zu verführen,
Lebst und bist du da,
Still mein Herz zu rühren,
Ohne es zu schüren –
Kind Nausikaa!


351

DAPHNE AN DER SONNENWENDE

". . . ut eruam te!"

Wird die Verfolgte sich retten
vor seiner düsteren Brunst?
Ihre Gelenke zu ketten,
wirft er ihr Erdrauch und Kletten
zu als Zeichen der Gunst.

Glühend, erreicht sie des flachen,
ländlichen Gartens Geviert,
Löwenmaul sperrt seinen Rachen,
ach, und wie feurige Drachen
blühen die Bohnen verwirrt.

Mitleidlos wölben die lauen
Frühsommeräpfel die Brust,
schließt ihre Finger, die schlauen,
Demeter schnell um der blauen
Kapseln betäubende Lust.

Ist eine Zuflucht noch offen?
Lodern dort Fittiche auf?
Da, zwischen Seufzen und Hoffen,
hemmt, von Verwandlung betroffen,
plötzlich das Jahr seinen Lauf,

Und wie sich die Erbsen entbinden
jäh von der goldgrünen Wand,
perlen im Anschlag die linden
Tage und rollen und schwinden
kühl durch des Hochsommers Hand.


352

SOMMERENDE

Hat auch die Made verrostet
Pflaume und Spilling wie toll –
da sie, von Wahnsinn umglostet,
selbst sich im Fruchtfleisch gekostet,
war sie der Pfeil des Apoll.

Mochte das Eichhorn die Schalen,
knisternder Nußkerne voll,
scharf wie durch Feuer zermahlen –
zuckend im Laubwerk, dem fahlen,
war es der Blitz des Apoll.

Spilling und Nüsse und Pflaumen,
ach, wie es pochte und scholl:
"Spinnweb läuft bald übern Daumen,
Süßigkeit löst sich vom Gaumen
und von der Erde Apoll!"


[353]


[354]


355

CHRISTINE LAVANT
(1915-1973)

brink354Christine Lavant wurde in einem kleinen Dorf bei St. Stefan im Kärnter Lavanttal geboren und hat diese Gegend kaum verlassen. Besuchern zeigte sie sich stets als einfache Dorfbewohnerin mit Kopftuch und Trachtenkleid.

Christine Thonhauser, seit 1939 verheiratete Habernig, stammte aus einer kinderreichen Bergarbeiterfamilie und arbeitete – wie ihre Mutter – als Strickerin. Nach der Veröffentlichung einer schmalen Gedichtsammlung 1949 erschien 1956 ihr vielbeachteter Gedichtband "Die Bettlerschale", in dem sie zu der ihr eigenen Ausdrucksweise gefunden hatte. Es folgten weitere Gedichtsammlungen und mehrere Erzählungsbände. Ihr Pseudonym wählte sie nach dem Fluß ihres Heimattales.


356

DIE ANGST

Die Angst ist in mir aufgestanden.
Wie eine Frau, der etwas Furchtbares einfiel
und die dann – wenn sie zwei Stuben hat –
von der einen in die andere geht,
so geht die Angst jetzt in mir hin und her.
Oft rede ich sie an,
singe und bete für sie,
oder lese ihr stundenlang vor
aus sehr klugen, sehr heiligen Büchern.
Aber sie macht sich aus allem nichts.
Nur noch schwerer wird sie davon,
bis jede Stelle, darauf sie tritt,
anfängt zu zittern.
Und so zittert schon alles in mir,
Knie, Hände und Lippen
und am meisten wohl die Lider meiner Augen.
Doch sie findet nicht Ruhe dabei
und durch die Tür meines Verstandes
bricht sie ein in die arme Seele.
Auch dort ist alles schon schwankend.
Bilder des Himmels und der Hölle
fallen übereinander her und über die Ängstin.
O diese Arme!
Niemehr wird sie zum Schlafen kommen,
niemehr wird sie mich schlafen lassen,
denn jemand hat ihr ein Wort gesagt,
das wie ein Schwert
am Faden einer einzigen Hoffnung
über uns hängt.

SIND DAS WOHL MENSCHEN?

Sind das wohl Menschen? – Wie man das vergißt!
Sie werfen Schatten vor dem Sonnenbaum,
sehr grobe Schatten und – sie haben Stimmen.
Wie sonderbar: – ich glaub, sie hießen "Männer".
Männer? – Ein Mann? – und kam der Aufschrei "Liebe"
nicht gleich danach und Schmerz, nicht wahr, mein Traumbuch,


357

Schmerz sagtest du sehr lange, fort und glitzernd,
Bänder von Schmerz wie Schienen zu den Menschen.
Dann kamen Tiere, große dunkle Tiere,
in die man einstieg, weil ihr Kopf so heulte,
und innen sagte jemand dann: "Wir fahren!"
Die, die sich Mädchen nannten, saßen flüsternd
nah beieinander, und es klang wie Laubfall,
wenn sie erzählten, daß ihr Liebster warte.
"ALiebster" – was ist das – , geht das rasch vorüber,
läßt es sich fassen, ohne Schmerz zu machen,
und bleibt an einem hinterher dann etwas
wie Blütenstaub und ein Geruch verhaftet
oder vergeht daran nur das Gefühl für gestern?
Ein Traumkraut also? – Sicherlich – ein Traumkraut!
Man hätte niemals davon kosten dürfen,
ehe man heimging in die liebe Erde,
heim zu den Zwiebelchen.

 

SAG MIR EIN WORT

Sag mir ein Wort, und ich stampfe dir
aus dem Zement eine Blume heraus,
denn ich bin mächtig geworden vor Schwäche
und vom sinnlosen Warten,
magneten in allen Sinnen.
Sicher wirst du erscheinen müssen!
Über dem Bahnhof zittert die Luft,
und die Taubenschwärme erwarten
den Einbruch der großen Freude.
Das Licht hat sich sanft auf die Schienen gelegt,
weg von den Haaren der Mädchen
und aus den Augen der Männer.
Ich habe aufgehört zu weinen,
aufgehört auch, auf das Wunder zu warten,
denn eines ereignet sich immerwährend
im Wachstum meiner Schwäche,
die da steigt und steigt hoch über die Tauben hinauf
und hinunter in schwarze Brunnen,
wo auch tagsüber noch sichtbar sind
die verheimlichten Sterne.
Dort unten wechselt nicht Tag und Nacht,
dort unten begehrst du noch ununterbrochen
die sanfte Blume meines Willens.


[358]


359

HERTHA KRÄFTNER
(1928-1951)

brink358Hertha Kräftner wuchs in Wien und im Burgenland auf und begann 1946 ihr Studium an der Universität Wien. Als Dreiundzwanzigjährige starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten.

Zu ihren Lebzeiten erschienen einige Gedichte in Zeitschriften und Anthologien. 1963 wurde eine Sammlung mit Gedichten, Skizzen und Tagebuchaufzeichnungen aus ihrem Nachlaß veröffentlicht.

 

WER GLAUBT NOCH . . .

Wer glaubt noch,
daß uns drüben Korallenbäume erwarten,
und Vögel, die das Geheimnis singen
und ab und zu die beinernen Schnäbel
ins rosa gefärbte Wasser tauchen,
und daß man uns abholen wird
zu Gerüchen
nach aufgebrochenen Mandelkernen
und den weißen Wurzeln seltener Pflanzen?
Ach, der Tod wird nach Pfeffer
und Majoran riechen,
weil er vorher im Laden beim Krämer saß,
der am silbrigen Schwanz
eines Salzherings erstickte.


360

BETRUNKENE NACHT

Der Gin schmeckt gleich um elf und drei,
das Soda nur wird schaler.
Wer will, der kann mich haben
für einen alten Taler.
Mein Bräutigam, mein Bräutigam
war einer von den sieben Raben,
der flog am Haus vorbei,
da war es zwölf vorbei,
mein Bräutigam, mein Bräutigam
tat einen dunklen Schrei
und wollte seinen süßen Schnabel
an meinem Herzen laben,
da spießte ihn ein fremder Mann
auf eine Silbergabel.
Nun kann mich jeder haben
für einen alten Taler.
Das Herz, mein Freund,
ist aber nicht dabei
bei diesem Preis,
dem Herzen, Freund, wird kalt und heiß
nur bei den Zärtlichkeiten eines Raben.
Darum auch haben
meine Freunde mich ertränkt . . .
Versprecht, daß ihr das Glas Chartreuse verschenkt,
in dem ich schwimme als ein gelbes Ei.


361

DORFABEND

Beim weißen Oleander
begruben sie das Kind,
und horchten miteinander,
ob nicht der falsche Wind
den Nachbarn schon erzähle,
daß es ein wenig schrie,
eh seine ungetaufte Seele
im Halstuch der Marie
erwürgt zum Himmel floh.
Es roch nach Oleander,
nach Erde und nach Stroh;
sie horchten miteinander,
ob nicht der Wind verriete,
daß sie dem toten Knaben
noch eine weiße Margerite
ans blaue Hälschen gaben . . .
Sie hörten aber nur
das Rad des Dorfgendarmen,
der pfeifend heimwärts fuhr.
Dann seufzte im Vorübergehn
am Zaun die alte Magdalen:
"Gott hab mit uns Erbarmen."


[362]


363

INGEBORG BACHMANN
(1926-1973)

brink362Ingeborg Bachmann wuchs in Kärnten auf, studierte an den Universitäten Graz, Innsbruck und Wien, arbeitete besonders im Kreis der "Wiener Schule" des Logistikers Wittgenstein und promovierte 1950 über "Die kritische Aufnahme der Exstenzphilosophie Heideggers". Bald darauf erschienen ihre beiden Gedichtbände "Die gestundete Zeit" (1953) und "Anrufung des großen Bären" (1956), die sie berühmt machten. 1959 wurde sie als erste Gastdozentin auf den Frankfurter Lehrstuhl für Poetik berufen.

Ingeborg Bachmann wechselte mehrfach ihren Wohnsitz, lebte von 1953-1957 in Italien, später unter anderem in München, Zürich, Berlin, zuletzt überwiegend in Rom, wo sie an den Folgen eines Zimmerbrandes starb. Sie war auch Hörspielautorin und Erzählerin und schrieb für den Komponisten Hans Werner Henze Opernlibretti.


364

ERKLÄR MIR, LIEBE

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat's Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen – -

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube stellt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!


365

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn . . .
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.


366

AN DIE SONNE

Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,
Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,
Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen
Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,
Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

Schöne Sonne, die aufgeht, ihr Werk nicht vergessen hat
Und beendet, am schönsten im Sommer, wenn ein Tag
An den Küsten verdampft und ohne Kraft gespiegelt die Segel
Über dein Aug ziehn, bis du müde wirst und das letzte verkürzt.

Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,
Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,
Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid.

Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh!

Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein . . .

Nichts Schönres als den Stab im Wasser zu sehn und den Vogel oben,
Der seinen Flug überlegt, und unten die Fische im Schwarm,

Gefärbt, geformt, in die Welt gekommen mit einer Sendung von Licht,
Und den Umkreis zu sehn, das Geviert eines Felds, das Tausendeck meines Lands
Und das Kleid, das du angetan hast. Und dein Kleid, glockig und blau!

Schönes Blau, in dem die Pfauen spazieren und sich verneigen,
Blau der Fernen, der Zonen des Glücks mit den Wettern für mein Gefühl,
Blauer Zufall am Horizont! Und meine begeisterten Augen
Weiten sich wieder und blinken und brennen sich wund.


367

Schöne Sonne, der vom Staub noch die größte Bewundrung gebührt,
Drum werde ich nicht wegen dem Mond und den Sternen und nicht,
Weil die Nacht mit Kometen prahlt und in mir einen Narren sucht,
Sondern deinetwegen und bald endlos und wie um nichts sonst
Klage führen über den unabwendbaren Verlust meiner Augen.


[368]


369

FRIEDERIKE MAYRÖCKER
(1924)

brink368Friederike Mayröcker lebt als Englischlehrerin in ihrer Heimatstadt Wien.

Ihre Gedichte erschienen seit 1947 in Zeitschriften und avantgardistischen Kleinverlagen; ihr erster umfangreicher Sammelband kam 1966 heraus.

Ihre Gedichte verbinden Methoden des Surrealismus und der konkreten Poesie: "lch schalte, um meine 'Bewusztseinsmaschine' in Gang zu bringen, auf Erinnerungspunkte irgendwelcher Vergangenheit, bringe dadurch, wenn es gelingt, etwas ganz intensiv in die Mitte meines Bewusztseins, wo es lebendig dasteht, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu betasten, in einer Eigenbeweglichkeit, die es aus dem Zustand des Eingebettetseins in einen Erinnerungsablauf befreit. Es steht für sich selbst da, ... statisch, und zugleich in einem Strahlungskranz von Assoziationsmöglichkeiten."

Seit den fünfziger Jahren steht sie in Verbindung mit der Wiener Gruppe (Jandl, Artmann, Rühm). Sie schrieb Prosatexte, Theaterstücke und Hörspiele (zum Teil gemeinsam mit Ernst Jandl).


370

MANCHMAL BEI IRGENDWELCHEN ZUFÄLLIGEN BEWEGUNGEN

streift meine Hand deine Hand deinen Handrücken
oder mein Körper der in Kleidern steckt lehnt fast ohne es zu wissen
einen Augenblick gegen deinen Körper in Kleidern
diese kleinsten beinahe pflanzlichen Bewegungen
sein abgewinkelter Blick und dein Auge absichtlich ins Leere
wandernd
deine im Ansatz noch unterbrochene Frage wohin fährst du im
Sommer
was liest du gerade
gehen mir mitten durchs Herz
und durch die Kehle hindurch wie ein süszes Messer
und ich trockne aus wie ein Brunnen in einem heiszen Sommer

 

ODE AN DIE VERGÄNGLICHKEIT

. . aufschauend sehnend mit den Augen der Seele fensterlos unter der Erde
auf elfenbeinernen Pferden exil-äugig übervoll
viel Wasser meine Geister und Falkenschwärme viel Wasser wird flieszen
zu meinem Abbild Atemzüge gegürtet exupery-schmachtend
absurd in Wüsten-Mäusen Geheimnissen und Gefährtinnen ertrinkend

Menschen zähmen
reisen in harten Spuren blank und fetischistisch

denn wie Wolken Regenfäden Hoffnungen fransen wir
Wolle verwirkt mit Himmel
Gräber und hohe Wandelhallen Höfe und Stiegen Aufgänge
Luft-Türme skelettierte Paläste Balustraden aus Sturm
berstende Himmel
Sonnen-Roste
Einbrüche schwarzer Qualen


371

meine Augen nämlich suchen den Schwanengesang den schönsten Hirten
den einsamen König – -
(o! dasz ich tausend Zungen hätte)
und ich irre zwischen weiszen Blumen und weiszen Raben
weiszen Ringen Wasser
in fremden Flüssen und Gärten
und ahne Mond:

Mond eingenäht in sein Gewand
in sein klirrendes Gewand in sein Haar
feucht und verklärt
in sein Diarium in seine Narbe

wenn meines Hierseins dunkle Treublume und mein trauriger Sommerprinz
Fried und Freud verspeisen
Blumen
Blumen aus Flüssen aus dem See:

(wer will uns scheiden?)

deine Schritte haben für mich gewacht und
der neue Tag und alle Lande
o! Morgenstern das ist mir lieb . .

unüberwindlich starker heiliger Michael offen und blau und hart
in Gebüschen von Kamillen und Holunder


[372]


373

MARIE LUISE KASCHNITZ
(1901-1974)

brink372Marie Luise Kaschnitz stammte aus einer badischen Adelsfamilie und wuchs in Potsdam und Berlin auf. Nach dem Abitur arbeitete sie in Weimar, München und Rom als Buchhändlerin, heiratete einen Wiener Archäologen, den sie auf zahlreichen ausländischen Studienreisen begleitete. Von 1932 bis 1955 wohnte sie wieder in Deutschland. Sie schrieb zunächst Prosa, dann auch Gedichte, trat aber erst nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes mit eigenen Gedichtsammlungen hervor. Sie lebte eine Zeitlang in Rom, später nach dem Tod ihres Mannes (1958) in Frankfurt am Main.

Marie Luise Kaschnitz veröffentlichte ihre zahlreichen öffentlichen und privaten Gedichte in mehreren Sammlungen, war eine glänzende Essayistin und verfaßte Hörspiele und Erzählungen. 1960 war sie Gastdozentin auf dem Frankfurter Lehrstuhl für Poetik.


374

DIE KATZE

Die Katze, die einer fand, in der Baugrube saß sie und schrie.
Die erste Nacht, und die zweite, die dritte Nacht.
Das erste Mal ging er vorüber, dachte an nichts
Trug das Geschrei in den Ohren, fuhr auf aus dem Schlaf.
Das zweite Mal beugte er sich in die verschneite Grube
Lockte vergeblich den Schatten, der dort umherschlich.
Das dritte Mal sprang er hinunter, holte das Tier.
Nannte es Katze, weil ihm kein Name einfiel.
Und die Katze war bei ihm sieben Tage lang.
Ihr Pelz war gesträubt, ließ sich nicht glätten.
Wenn er heimkam, abends, sprang sie ihm auf die Brust, ohrfeigte ihn.
Der Nerv ihres linken Auges zuckte beständig.
Sie sprang auf den Vorhang im Korridor, krallte sich fest
Schwang hin und her, daß die eisernen Ringe klirrten.
Alle Blumen, die er heimbrachte, fraß sie auf.
Sie stürzte die Vasen vom Tisch, zerfetzte die Blütenblätter.
Sie schlief nicht des Nachts, saß am Fuß seines Bettes
Sah ihn mit glühenden Augen an.
Nach einer Woche waren seine Gardinen zerfetzt
Seine Küche lag voll von Abfall. Er tat nichts mehr
Las nicht mehr, spielte nicht mehr Klavier
Der Nerv seines linken Auges zuckte beständig.
Er hatte ihr eine Kugel aus Silberpapier gemacht
Die sie lange geringschätzte. Aber am siebenten Tag
Legte sie sich auf die Lauer, schoß hervor
Jagte die silberne Kugel. Am siebenten Tag
Sprang sie auf seinen Schoß, ließ sich streicheln und schnurrte.
Da kam er sich vor wie einer, der große Macht hat.
Er wiegte sie, bürstete sie, band ihr ein Band um den Hals.
Doch in der Nacht entsprang sie, drei Stockwerke tief
Und lief, nicht weit, nur dorthin, wo er sie
Gefunden hatte. Wo die Weidenschatten
Im Mondlicht wehten. An der alten Stelle
Flog sie von Stein zu Stein im rauhen Felle
Und schrie.


375

FRAUENFUNK

Eines Tages sprech ich im Rundfunk
Gegen Morgen wenn niemand mehr zuhört
Meine gewissen Rezepte

Gießt Milch ins Telefon
Laßt Katzen hecken
In der Geschirrspülmaschine
Zerstampft die Uhren im Waschtrog
Tretet aus Euren Schuhen

Würzt den Pfirsich mit Paprika
Und das Beinfleisch mit Honig

Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins
Dreht die Blätter im Garten auf ihre Silberseite
Beredet euch mit dem Kauz

Wenn es Sommer wird zieht euren Pelz an
Trefft die aus den Bergen kommen
Die Dudelsackpfeifer
Tretet aus Euren Schuhen

Seid nicht so sicher
Daß es Abend wird
Nicht so sicher
Daß Gott euch liebt.

 

NUR DIE AUGEN

Tauft mich wieder
Womit?
Mit dem nächstbesten Wasser
Dem immer heiligen.
Legt mir die Hand auf
Gebt mir den nächstbesten Namen
Einen geschlechtslosen
Frühwind- und Tannennamen
Für das letzte Stück Wegs.
Verwandelt mich immerhin
Nur meine Augen laßt mir
Diese von jeher offen
Von jeher tauglich.


[376]


377

DAGMAR NICK
(1926)

brink376Dagmar Nick wurde in Breslau geboren und lebte seit 1933 in Berlin. Nach Kriegsende wechselte sie mehrfach den Wohnsitz. In München studierte sie Graphologie und Psychologie; mehrere Jahre lebte sie in Israel.

Ihr erstes Gedicht erschien 1945 in der von Erich Kästner herausgegebenen "Neuen Zeitung" in München.

1947 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband "Märtyrer" ("Für lene, die die Konzentrationslager erlebten"). Es folgten weitere Sammlungen, Essays und Reisebeschreibungen.


378

GENESIS 3, 14

Schlange,
Fleisch meines Fleisches,
Anruf des Blutes,
geschwisterlich mir gepaart:
wir tragen die Frucht aus,
das Scheusal Liebe,
die Angst, Unheil zu gebären.

Mitternachts
streifen wir eine Haut ab
und werben für Unzucht,
stahläugig, ewig offenen Lids,
kriechen auf unserem Bauch
ein Leben lang,
lieben und speien Verachtung
über die Zahnlosen,
die Einzüngigen.

Laß uns den Sabbath feiern,
Schlange,
einen Menschen begraben,
Erde fressen,
die Erde verteidigen,
ehe wir werden wie sie.


379

AN EINE DIFFAMIERTE DAME

Freundin, mein schuppiges Luder,
wer wollte sich nicht an dir messen,
Erkenntnisträchtige,
bäuchlings einen Biß mit dir tauschen
und Giftbäume plündern,
um zu wissen, wo Gott wohnt!

Du hast die Erde bevölkert, Schöne,
und man hat dich verflucht,
eingefangen als Corpus delicti,
Erfindung der Erbsünder. Lache,
mein schuppiges Luder,
und räche dich an den Lechzenden,
fahre den Heuchlern ans Bein,
schlage ihnen ein Schnippchen, den Kerlen
aus Adams Geschlecht.


[380]


381

brink380

ROSE AUSLÄNDER
(1907)

 "Warum schreibe ich? Vielleicht weil ich in Czernowitz zur Welt kam, weil die Welt in Czernowitz zu mir kam. Jene besondere Landschaft. Die besonderen Menschen. Märchen und Mythen lagen in der Luft, man atmete sie ein."

Rose Ausländer hat mit Paul Celan und auch mit der um wenige Jahre älteren Klara Blum die geistig ungemein anregende Geburtsstadt im damaligen Alt-Österreich, heute Rumänien, gemeinsam. Sie studierte dort Literaturwissenschaft und Philosophie, begann mit siebzehn Jahren Verse zu schreiben, veröffentlichte 1939 ihren ersten Gedichtband, der wie ihre Tagebücher und die meisten Manuskripte in den Kriegswirren verlorenging. 1941 besetzten Nazi-Truppen die Stadt, es folgten für die Jüdin Jahre des Elends und Ghettolebens. 1946 wanderte sie in die USA aus, wo sie als Korrespondentin und Übersetzerin arbeitete. Nach längerem Schweigen begann sie wieder zu schreiben, zunächst in Englisch, seit 1956 wieder in ihrer deutschen Muttersprache. Seit 1964 lebt sie in der Bundesrepublik und veröffentlichte seit 1965 zahlreiche Gedichtbände. 1976 erschien die erste Gesamtausgabe ihres umfangreichen lyrischen Werks.


382

KÄTHE KOLLWITZ

Im Schatten der Mütter
haben Kinder
das Gruseln erlernt

In ihren Augenhöhlen
nisten
Hungervögel

Angstwangen
Schwarz an Schwarz

 

MIT DEM SIEB

Mit dem Sieb
schöpfe ich Wasser
für meine Mühle

halte die Flügel in Gang
mit meinem Atem

mahle
den Hunger


383

AM STRAND

Meine Freundin am Strand
die vierjährige Mulattin
lacht das gelockte Lachen
ihrer Rasse

In ihren Augen badet das Meer
ihr Haar ist ein Schwarm Schwalben
die Hand eine bronzene Blüte

Sie schaufelt Sonne in den Blecheimer
schüttet sie in meine Hand
lacht ein Echo in den Sand

Ihr Schatten durchschneidet den Schatten
eines blonden Knaben
Eine Minute steht das Kreuz
in Glanz gehaun
dann zerbricht es
in zwei entgegengesetzte Bewegungen

Komm kleine Freundin
der Sand ist reif
wir wollen baun
ein Haus eine Stadt ein Land
füll deinen Eimer mit Sonne
lach um uns ein
weltweites Echo


[384]


385

HILDE DOMIN
(1912)

"Ich, H. D., bin erstaunlich jung. Ich kam erst 1951 auf die Welt. Weinend, wie jeder in diese Welt kommt. Es war nicht in Deutschland, obwohl Deutsch meine Muttersprache ist. Es wurde spanisch gesprochen, und der Garten vor dem Haus stand voller Kokospalmen."

brink384Mit diesen Worten beschreibt Hilde Domin ihre literarische Geburt im lateinamerikanischen Exil, nach dem sie ihr Pseudonym wählte.

Tatsächlich kam sie in Köln zur Welt, begann das Studium in Heidelberg, promovierte in der italienischen Emigration mit einer staatsrechtlichen Arbeit, floh gemeinsam mit ihrem Mann, einem promovierten Kunsthistoriker, vor dem Faschismus nach England und schließlich nach St. Domingo. 1954 kehrte sie in die Bundesrepublik zurück und veröffentlichte seit 1959 kontinuierlich ihre Lyrikbände. Hilde Domin ist auch Erzählerin, Interpretin, Herausgeberin und eine bedeutende Literaturtheoretikerin mit gesellschaftlich-moralischem Engagement. So schrieb sie auch über die "Schwierigkeiten, eine berufstätige Frau zu sein" und erinnerte an Autorinnen, die sich umgebracht haben, "weil es absolut nicht mehr ging".


386

GEBURTSTAGE

1

Sie ist tot

heute ist ihr Geburtstag
das ist der Tag
an dem sie
in diesem Dreieck
zwischen den Beinen ihrer Mutter
herausgewürgt wurde
sie
die mich herausgewürgt hat
zwischen ihren Beinen

sie ist Asche

2

Immer denke ich
an die Geburt eines Rehs
wie es die Beine auf den Boden setzte

3

Ich habe niemand ins Licht gezwängt
nur Worte
Worte drehen nicht den Kopf
sie stehen auf
sofort
und gehn


387

WORT UND DING

Wort und Ding
lagen eng aufeinander
die gleiche Körperwärme
bei Ding und Wort

 

WER ES KÖNNTE

Wer es könnte
die Welt
hochwerfen
daß der Wind
hindurchfährt.


[388]


389

ILSE AICHINGER
(1921)

GEBIRGSRAND

Denn was täte ich,
wenn die Jäger nicht wären, meine Träume,
die am Morgen
auf der Rückseite der Gebirge
niedersteigen, im Schatten.

brink388Mit kritischer Phantasie, befremdend-umkehrenden Figurationen verrückt die Schriftstellerin Ilse Aichinger Wirklichkeit ins Gleichnishaft-Traumhafte, um daraus Verlorenheit, Angst und Bedrohung des empfindenden Menschen in unerträglicher Kenntlichkeit auftauchen zu lassen.

Ilse Aichinger verlebte die Kindheitsjahre in Wien und Linz; während der Besetzung Österreichs durch Hitler war sie mit ihrer Familie der Verfolgung ausgesetzt. Nach Kriegsende begann sie das Studium der Medizin, widmete sich aber bald ganz der Literatur. Bereits mit ihrem ersten Roman 'Die größere Hoffnung' (1948), in dem sie sich mit der nazistischen Judenverfolgung auseinandersetzt, gelang ihr der schriftstellerische Durchbruch. Es folgten viel beachtete Erzählungen, Hörspiele und Dialoge, zuletzt der Band 'Schlechte Wörter' (1976). Ilse Aichinger arbeitete an verschiedenen österreichischen und deutschen Zeitschriften mit, wirkte als Verlagslektorin und war am Aufbau der Hochschule für Gestaltung in Ulm beteiligt. 1953 heiratete sie den Schriftsteller Günter Eich; seit 1963 lebt sie in Großgmain bei Salzburg.

Die hier abgedruckten Gedichte Ilse Aichingers sind dem Band 'Verschenkter Rat' (1978) entnommen, der ihre bisher verstreut oder noch nicht veröffentlichten Gedichte, die seit 1958 entstanden, zum ersten Mal gesammelt vorstellt.


390

FINDELKIND

Dem Schnee untergeschoben,
den Engeln nicht genannt,
kein Erz, kein Schutz,
den Feen nicht vorgewiesen,
in Höhlen nur verborgen
und ihre Zeichen behende
aus den Waldkarten geschafft.
Ein toller Fuchs
beißt es und wärmts,
erweist ihm rasch die ersten Zärtlichkeiten,
bis er sich zitternd und gepeinigt
zum Sterben fortbegibt.
Wer hilft dem Kind?
Die Mütter
mit ihrer alten Angst,
die Jäger
mit den verfälschten Kartenbildern,
die Engel
mit den warmen Flügelfedern,
aber ohne Auftrag?
Kein Laut,
kein Schwingen in der Luft,
kein Tappen auf dem Boden.
Dann komm doch du noch einmal,
alter, toller Helfer,
schleif dich zurück zu ihm,
beiß es, verkratz es,
wärm es, wenn deine Räubertatzen noch warm sind,
denn außer dir kommt keiner,
sei gewiß.


391

TAGSÜBER

Ein ruhiger Junitag
bricht mir die Knochen,
verkehrt mich,
schleudert mich ans Tor,
hängt mir die Nägel an,
die mit den Farben
gelb, weiß und silberweiß,
verfehlt mich nicht,
mit keinem,
läßt nur die Narrenmütze fort,
mein Lieblingsstück,
würgt mich
mit seinen frischen Schlingen
solang bis ich noch atme.
Bleib, lieber Tag.

 

NACHRUF

Gib mir den Mantel, Martin,
aber geh erst vom Sattel
und laß dein Schwert, wo es ist,
gib mir den ganzen.


[392]


393

RENATE RASP
(1935)

brink392Renate Rasp wurde in Berlin geboren. Nach zwei Jahren Schauspielschule ging sie zur Kunstakademie in Berlin, dann nach München, arbeitete als Schriftgraphikerin und lebt heute als freie Schriftstellerin abwechselnd in München und Cornwall.

Ihr Werk denunziert jegliche Form von Herrschaft über den Menschen durch Erziehungsdiktatur ("Ein ungeratener Sohn"), geschlechtsspezifische Rollenerwartung ("Eine Rennstrecke") und Forderung marktgerechten Funktionierens ("Chinchilla, Leitfaden zur praktischen Ausführung").


394

VORLÄUFIG

Meine eigene Figur
wie sie sich bewegt
nach dem Essen
ihr Geschirr abspült
eine Zigarette
anzündet, von
weit weg sehe ich
sie da sitzen zwischen
einem Tisch und
einer Couch
eingepreßt in
einen Kopf Arme Hals –
Wie sie zappelt
statt der Zigarette
ihren Finger anbrennt.
Es sieht aus
als ob sie sich
doch noch
herausschlagen
könnte.

 

RUSSISCH LEDER

Ich
bin heute
ganz weich
und grenzenlos
mitleidig.
Mit einem scharfen
Wasserstrahl
schlage ich auf
dich ein.
Vorher binde ich
dir die Hände
zusammen.
Ich sperre dich
in den Keller.
Ich weine vor der Tür.


395

BILDNIS

Ich rasiere
mir den Kopf.
Ohne Zähne
sehe ich dich
aus zwei dicken
Warzen an.
Mein Mund
wenn ich lache!
Ich bin fleckig.
Ich antworte
mit Gestank.
Meine Fingerspitzen
sind scharf und
ich säge Holz
mit den Händen.
Ich fühle mich
kalt an. Wenn
ich aufstehe
bleibt auf
dem Stuhl eine
Haut zurück.
Ich fresse
meinen eigenen Dreck.
Ich bin Dreck
in einem Haufen
schmutziger Wäsche.
Sage bloß
daß du mich nicht liebst, jetzt!


[396]


397

HELGA NOVAK
(1935)

brink396Helga Novak wurde in Berlin geboren, studierte Philosophie und Journalistik in Leipzig, heiratete nach Island, arbeitete dort in verschiedenen Berufen und begann zu schreiben. Seit 1968 lebt sie als freie Schriftstellerin in Frankfurt.

Helga Novak schreibt vor allem politische und Zeitgedichte, häufig in Balladenform. Sie greift damit auf eine Gattung zurück, die nach ihrer bürgerlichen Neubelebung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts – an der vor allem auch Frauen beteiligt waren (Miegel, Strauß und Torney) – in der sozialistischen Literatur weiterlebte. Sie ist auch Autorin von Funkszenen und Erzählungen, in denen sie vorwiegend die Existenzsituation gesellschaftlicher Randgruppen darstellt. Sie gab ein Lesebuch zur Emanzipation heraus (gemeinsam mit Horst Karasek) und berichtete über ihre mehrwöchige Arbeit auf einem von Landarbeitern besetzten herzoglichen Gut in Portugal ("Die Landnahme von Torre Bela").


398

GENERALSTRÄNEN

ein halbes Jahrhundert nach dem Aufstand der Hereros fand der Lettow-Vorbeck auf dem Schlachtfeld Hamakari am Waterberg in Südwestafrika den Termitenhügel wieder neben dem sein Stellungsgraben gelegen hatte

dort hat er einst einen totalen Krieg geführt
dort hat er einst ein Volk ausgerottet

und weinte Freudentränen

die zwanzigmetertiefen Kuten in der Wüste in denen die verjagten Hereroweiber vergeblich nach Nässe wühlten an deren Rändern sie zu hunderten mit ihren Kindern verdorrt sind

hat er nicht gefunden
sie waren schon verweht

drum konnt er dort nicht weinen

 

BALLADE VON DER KASTRIERTEN PUPPE

1

in Bayern wo die Dörfer
alt und finster sind
lebt ein Dorfschullehrer
mit Frau und Kind
er belehrt die Jungen
und die Mädchen all
über Fleiß und gute Sitten
und über den Sündenfall
 
  doch eines Tages schickte
Tante Lucie aus Paris
der Bettina eine Puppe
die Hildebrand hieß
der Hildebrand konnte
lachen und weinen
und hatte ein Schwänzchen
zwischen den Beinen
 
was habe ich denn gemacht
meine liebe Mutter?
 


399

ich träume jede Nacht:
du kämst mit einem Messer
und hättest mich umgebracht!

2
Bettina springt herum
und tanzt einen Ringelreihen
sie läuft zu ihrem Vater
um die Puppe zu zeigen
"was eine Jungenpuppe
in meinem sauberen Haus?
das Ding fliegt gar bald
zu den Fenstern hinaus!

 
  weh dir ich seh dich
mit Hildebrand spielen
und dich mit dem Bengel
auf der Straße rumsielen!
wie konnte Tante Lucie
sich dazu erdreisten?
ich als Lehrer kann
mir sowas nicht leisten."
 

was habe ich denn gemacht . . .

3
doch während der Herr Lehrer
als zuverlässiger Christ
am nächsten Sonntagmorgen
in der Dorfkirche ist
– die Mutter schläft noch
und taub ist ihr Ohr – sucht Betti ihren Hildebrand
aus dem Kleiderschrank hervor

 
  zufällig wohnt ein Puppen-
doktor im Hause nebenan
dessen kinderlose Frau
gar nicht anders kann
als alles was geschieht
emsig zu belauschen
und jedes Ereignis
gehörig aufzubauschen
was habe ich denn gemacht . . .
 

400

4
Frau Doktor gewöhnt
sich zu verstecken
stand eine Weile
hinter den Rosenhecken
und als sie Bettina
und Hildebrand schaut
überzieht sie sich ganz
und gar mit Gänsehaut
 
  "Betti pfui schäm dich!
mit deiner Zunge
zu küssen zu schlecken
den Puppenjunge!"
Bettina erschrocken
stopft den Hildebrand
ins Blumenbeet und
tief in den Sand
 

was habe ich denn gemacht . . .

5
Frau Doktor klagt und zetert:
"Betti du bist ja entartet!
ach deine arme Mutter
die gerade ein Baby erwartet!"
und der Herr Lehrer packte
das schuldlose Puppenkind
und eilte mit ihm hinüber
zum Puppendoktor geschwind

 
  Herr Doktor dieser Rüpel
der bringt mich noch ins Grab
schneiden Sie ihm doch bitte
sofort dieses Ding da ab!"
und zu Betti: "was heulst du
wie eine kleine Wilde?
aus deinem Hildebrand
wird eben eine Hilde!"
 
was habe ich denn gemacht . . .  

401

6
seitdem fing Bettina an
alles und jeden zu hassen
tagtäglich zerwirft sie
Teller und Tassen
die Mutter schlägt mit
der Stirn an die Scheibe
und sagt "Bettina
hat den Teufel im Leibe"
 
  der Vater kann Kinder-
schmerz nicht ermessen
er selber hatte Hilde-
brand längst vergessen
"warum lachst du nicht
und singst keine Lieder
für deine Mutter?
sie kommt bald nieder!"
 
was habe ich denn gemacht . . .  

7
wer huscht durch Nachbars
Blumenbeete und Hecken
um die öde Puppenpraxis
bei Nacht zu entdecken?
wer klebt mit der Nase
am staubigen Werkstattfenster
und begutachtet dort
die blassen Puppengespenster?
 
  Bettina bewundert
voller Entzücken
die Augen die Stimmchen
und die Perücken
Nähzeug und Zangen
kleine Messer Pinzetten
"ach wenn wir doch auch
solche Werkstatt hätten!"
 
was habe ich denn gemacht . . .  

402

8
Bettina klettert leise
ins leere Gartenhaus
und sucht sich eine Zange
und zwei Messerchen heraus
welche Freude! Bettina
singt und trällert wieder
denn ihre Mutter kam
mit einem Brüderchen nieder
 
  sie schleicht und trippelt
auf Zehenspitzen heim
dort oben der weiße Mond
flüstert "laß sein, laß sein!
wirf schnell die Zange
und die Messerchen weg!"
trotzdem hat Bettina alles
in ihrem Zimmer versteckt
 
was habe ich denn gemacht . . .  
   
9
die Mutter sagt "Bettina
uns leuchtet neues Licht
jeder von uns beiden
hat nun seine Pflicht
du trägst deine Hilde
stolz und sicher im Arm
und ich halte den Christian
in seinem Bette satt und warm"
 
  doch kaum ist die Mutter
ein paar Schritte gegangen
sieht man Bettinas Hände
nach Christians Decke langen
"ich werde dir gleich helfen
du verdammtes Luder!
was machst du da eigentlich
mit deinem kleinen Bruder?"
 
was habe ich denn gemacht . . .  

403

10
der Bruder schläft bei Betti
in ihrem Kinderzimmer
sie tappt um sein Lager
ohne einen Lichtschimmer
Sie preßt ihr dickes Kissen
dem Christian aufs Gesicht
"so magst du ruhig weinen
die Mutter hört es nicht."
 
  Bettina tanzt und jubelt
ist lustig wie eine Biene
"Mutter ich habs geschafft
aus Christian ward Christine!"
die Mutter eilt ans Bettchen
das Blut tropft ihr in den Schuh
der Christian ist gestorben
seine liebe Seele hat Ruh
 
was habe ich denn gemacht
meine liebe Mutter?
ich träume jede Nacht:
du kämst mit einem Messer
und hättest mich umgebracht
 

[404]


405

SARAH KIRSCH
(1935)

"Ich hoffe, daß Hexen, gäbe es sie, diese Gedichte als Fachliteratur nutzen könnten",

brink404erklärte Sarah Kirsch zu ihrem zweiten Gedichtband "Zaubersprüche". Tatsächlich lassen viele ihrer Gedichte die Verwandtschaft von Zauberei und Poesie erkennen.

Sarah Kirsch wurde im Harz geboren, begann ein Studium der Biologie, wechselte dann zum Institut für Literatur in Leipzig über, wo sie von 1963 bis 1965 studierte, und lebte seit 1968 in Ost-Berlin. Im August 1977 stellte sie einen Ausreiseantrag. Nach ihrer Unterzeichnung des Protests gegen die Ausbürgerung des Ostberliner Liedermachers Biermann 1976 sah sie sich "unerträglichem Druck" ausgesetzt. Seit Herbst 1977 lebt sie in West-Berlin.

1965 gab Sarah Kirsch gemeinsam mit ihrem damaligen Mann, dem Schriftsteller Rainer Kirsch, den Lyrikband "Gespräche mit dem Saurier" heraus. Seit 1967 veröffentlichte sie drei weitere Gedichtsammlungen, ferner die Prosasammlung "Die Panthertrau", in der fünf Frauen über ihr alltägliches Leben in der DDR berichten, und die Erzählung "Die ungeheuren berghohen Wellen auf See" (beide 1973).


406

DER DROSTE WÜRDE ICH GERN WASSER REICHEN

Der Droste würde ich gern Wasser reichen
in alte Spiegel mit ihr sehen, Vögel
nennen, wir richten unsre Brillen
auf Felder und Holunderbüsche, gehen
glucksend übers Moor, der Kiebitz balzt
Ach, würde ich sagen, Ihr Lewin – schnaubt nicht schon ein Pferd?

Die Locke etwas leichter – und wir laufen
den Kiesweg, ich die Spätgeborne
hätte mit Skandalen aufgewartet – am Spinett
das kostbar in der Halle steht
spielen wir vierhändig Reiterlieder oder
das Verbotene von Villon
Der Mond geht auf – wir sind allein

Der Gärtner zeigt uns Angelwerfen
bis Lewin in seiner Kutsche ankommt
der schenkt uns Zeitungsfahnen,
Schnäpse gießen wir in unsre Kehlen, lesen
Beide lieben wir den Kühnen, seine Augen
sind wie grüne Schattenteiche, wir verstehen
uns jetzt gründlich auf das Handwerk FISCHEN

 

SIEBEN HÄUTE

Die Zwiebel liegt weißgeschält auf dem kalten Herd
Sie leuchtet aus ihrer innersten Haut daneben das Messer
Die Zwiebel allein das Messer allein die Hausfrau
Lief weinend die Treppe hinab so hatte die Zwiebel
Ihr zugesetzt oder die Stellung der Sonne überm Nachbarhaus
Wenn sie nicht wiederkommt wenn sie nicht bald
Wiederkommt findet der Mann die Zwiebel sanft und das Messer beschlagen


407

RAUBVOGEL

Raubvogel süß ist die Luft
So kreiste ich nie über Menschen und Bäumen
So stürz ich nicht noch einmal durch die Sonne
Und zieh was ich raubte ins Licht
Und flieg davon durch den Sommer!


409

QUELLENVERZEICHNIS UND BIBLIOGRAPHIE

A. Quellenverzeichnis der Gedichte
und Literaturhinweise zu den einzelnen Dichterinnen

Im folgenden Quellenverzeichnis erscheinen bei seltenen und schwer zugänglichen Originalausgaben, vor allem bei den bis zu Beginn dieses Jahrhunderts veröffentlichten Werken am Ende der bibliographischen Angaben in Klammern die Bibliotheksstandorte (mit den Ziffern des Deutschen Gesamtkatalogs). Im Anschluß an die Quellentitel folgen kursiv die jeweils der Ausgabe entnommenen Gedichte mit Seitenzahl der Originalausgabe. Die mit einem versehenen Gedichttitel stammen von der Herausgeberin (das Gedicht hat dann im Original keinen Titel oder einen, der nur aus dem Zusammenhang im Originaltext verständlich ist).

Bei den Literaturhinweisen zu den Dichterinnen erscheinen folgende Abkürzungen:


410

ILSE AICHINGER (1921)
S. 389-391

Werke: Wo ich wohne. Erzählungen, Dialoge, Gedichte. – Frankfurt 1963;
Verschenkter Rat. Gedichte.- Frankfurt 1978
Gebirgsrand, S. 7; Findelkind, S.84; Tagsüber, S.81; Nachruf, 5. 60
Literatur: KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES

 

SOPHIE ALBRECHT (1757-1840)
S. 143-147

Werke: Gedichte und Schauspiele. 2 Bde., Erfurt 1781, 1785. Bd. 2 unter dem Titel: Gedichte und prosaische Aufsätze. (36)
An meine entschlummerte Henriette Froriep, S.49-52; Im Junius 1783, S. 73
Gedichte und Schauspiele. 2. Auflage.-Dresden und Leipzig 1791(6) Sehnsucht, S. 121-123
Anthologie aus den Poesien von Sophie Albrecht. Ausgewählt und herausgegeben von Friedr. Clemens. – Altona 1841 (18) An die Freiheit, S. 98-99
Literatur: ADB

 

LOUISE ASTON (1814-1871)
S. 197-203

Werke: Wilde Rosen. Zwölf Gedichte. – Berlin 1846 (7) Nachtphantasien, S. 40-43
Der Freischärler. Für Kunst und sociales Leben. Redigiert von Louise Aston. Berlin 1848 (38)
Berlin am Abende des 12. November 1848, abgedruckt am 15. November 1848; In Potsdam, abgedruckt am 29. November 1848
Freischärler-Reminiscenzen. Zwölf Gedichte. – Leipzig 1850 (12) Berlin am Abende des 12. November 1848, S. 8-9; In Potsdam, S.12-13; Lied einer schlesischen Weberin, S. 17-19
Literatur: Anna Blos, Frauen in der deutschen Revolution von 1848. 10 Lebensbilder. Dresden 1928; Renate Möhrmann, Die andere Frau. Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld der Achtundvierziger Revolution. – Stuttgart 1977; ADB, NDB

 

ROSE AUSLÄNDER (1907)
S. 381-383

Werke: Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Hugo Ernst Käufer in Zusammenarbeit mit Berndt Mosblech. – Leverkusen 1976 Käthe Kollwitz, S.270; Am Strand, S. 25; Mit dem Sieb, S. 257
Literatur: s. Gesammelte Gedichte


411

INGEBORG BACHMANN (1926-1973)
S. 363-367

Werke: Die gestundete Zeit. – München 1953;
Anrufung des großen Bären. – München 1956 An die Sonne, 5. 68-69; Erklär mir, Liebe, S. 38-39
Literatur: NDB, KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES

 

MARGARETE BEUTLER (1876-1949)
S. 279-283

Margarete Friedrich-Freksa, geb. Beutler
Werke: Gedichte. – Berlin [1903] (61) Die Kommenden, S. 95-96;
Neue Gedichte. – Berlin 1908 (43) Der Strom, S.14
Leb' wohl, Boheme! – München 1911 (5) Die Puppe, S. 40-41; Nach der Weinlese, S. 105
Literatur: A. Soergel/C. Hohoff, Dichtung und Dichter der Zeit. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart. 2 Bde. – Düsseldorf 1961-1963, Bd. 1; KOSCH

 

KLARA BLUM (1904)
S. 337-343

Dshu Bai- Lan
Werke: Der weite Weg. – Berlin 1960 (60) Nacht in der Krim, S. 9-10; Pflaurnenblüte, S. 14; Brief nach China, S. 22-24; Mondmelodie, S. 35-37
Literatur: SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

LOUISE BRACHMANN (1777-1822)
S.153-157

Werke: Auserlesene Dichtungen. Herausgegeben und mit einer Biographie und Charakteristik der Dichterin begleitet von Prof. Schütz zu Halle. 2 Bde. – Leipzig 1834 (43)
Die Jahreszeiten, I, S. 249; Antigone, I, S. 233-234; Terzinen, I, S. 217; Griechenlied, II, S. IX-X
Literatur: [Adolf Müllner], Sappho. In: Morgenblatt für gebildete Stände. Oktober 1822. Stuttgart, S.343-344; ADB, NDB, KOSCH


412

ADA CHRISTEN (1839-1901)
S. 219-223

Christiane von Breden, geb. Friederik
Werke: Lieder einer Verlorenen. – Hamburg 1868, 1873(6) Elend, S. 43; Menschen, S. 45
Aus der Asche. Neue Gedichte. – Hamburg 1870 (5) Asche (gekürzt), S. 13
Schatten. – Hamburg 1872 (6)
Aus der Tiefe. Neue Gedichte. – Hamburg 1878 (6) Noth, S. 76; Ein Balg, S. 59-60
Literatur: Oskar Kataun, Storm als Erzieher. Seine Briefe an Ada Christen. – Wien 1848; Paul Reimann, Ada Christen. In: Von Herder bis Kisch. – Berlin 1961, S. 34-39; NDB, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

MARIE EUGENIE DELLE GRAZIE (1864-1931)
S. 233-237

Werke: Gedichte. – Herzberg a. H. 1882, 1884
Italienische Vignetten. – Leipzig 1892, 1904
Sämtliche Werke. 9 Bde. – Leipzig 1911
Neapel, Bd. 6 ("Italienische Vignetten", S. 60-61); Dornröschen, Bd. 6
("Gedichte", S.65-66); Kindheit, Bd. 6 ("Gedichte", S. 19)
Literatur: F. Milleker, Marie Eugenie delle Grazie, Leben und Werk. -o.O. 1921; Alice Wengraf, Marie Eugenie delle Grazie. Versuch einer geistgemäßen biographischen Skizze. – o.O. [1932]; NDB, KOSCH

 

LOUISE DITTMAR (um 1848)
S.205

Werke: Brutus-Michel. Zweite vermehrte Auflage. – Darmstadt 1848 (36)
Die deutsche Republik, S. 13-14

 

EMMA DÖLTZ (1866-1950)
S. 265-269

Werke: Jugend-Lieder. – 1900 (nicht beschaffbar); 1917
Literatur: Aus dem Schaffen früher sozialistischer Schriftstellerinnen. Herausgegeben von Cäcilia Friedrich. – Berlin 1966 (Darin: Die Heimarbeiterin, S.26; Kommt mit, S.27; Hoffnung, S. 15); Mane Juchacz, Sie lebten für eine bessere Welt. Lebensbilder führender Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts. – Berlin und Hannover [1955], S. 130-133


413

HILDE DOMIN (1912)
S. 385-387

Werke: Nur eine Rose als Stütze. Gedichte. – Frankfurt 1959
Hier. Gedichte. – Frankfurt 1964
Wer es könnte, S. 32
Ich will dich. Gedichte. – München 1970 Geburtstage, S. 40; Wort und Ding, S. 35
Von der Natur nicht vorgesehen. Autobiographisches. – München 1974
Literatur: KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES

 

ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF (1797-1848)
S. 165-173

Werke: Sämtliche Werke. Herausgegeben in zeitlicher Folge geordnet und mit einer Einleitung versehen von Clemens Heselhaus. Vierte erweiterte Auflage. – Darmstadt 1963
Das Fräulein von Rodenschild, S. 349; Am sechsten Sonntag nach Pfingsten, S. 555; Am Turme, S. 124; Im Grase, S. 271; Der kranke Aar, S. 65
Literatur: Clemens Heselhaus, Annette von Droste-Hülshoff. Werk und Leben. – Düsseldorf 1971; ADB, NDB, KOSCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

MARIE VON EBNER-ESCHENBACH (1830-1916)
S. 229-231

 

Werke: Aphorismen (4. Aufl.), Parabeln und Märchen (3. Aufl.). – Berlin 1893 (Gesammelte Schriften. Bd. 1)
Sankt Peter und der Blaustrumpf
, S. 191-192
Literatur: NDB, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

LISBETH EISNER (1867-1949)
S. 271-273

Literatur: Aus dem Schaffen ftüher sozialistischer Schriftstellerinnen. Herausgegeben von Cäcilie Friedrich. – Berlin 1966 (Dann: Vormrzstürme, S. 5). Persönl. Mitt. v. Freya Eisner, München


ELISABETH VON BRAUNSCHWEIG-LÜNEBURG (1510-1558)
S. 69-73

Literatur: Iwan Franz, Elisabeth von Calenberg-Göttingen als Liederdichterin. Ein Beitrag zur Charakteristik der Fürstin. In: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1872 (Darin: Neujahrslied für ihre Tochter Katharina* S. 183-195; Lebensbericht*, S.192-194)

 

ANNA RUPERTINA FUCHS (1657-1722)
S. 107-111

Werke: Poetische Schriften, samt einer Vorrede von dem Leben der Fr. Fuchsin, ans Licht gestellt durch Friedrich Roth-Scholtzen. – Nürnberg und Altdorf 1726 (23, 18)
Die Antwort* S. 74-76; Ruh-beglückte Einsamkeit, S. 95-96

 

CLAIRE GOLL (1891-1977)
S. 307-309

Werke: (unter dem Namen Claire Studer) Mitwelt. – Berlin-Wilmersdorf 1918 (Der Rote Hahn. Bd. 20) (60)
Lyrische Films. Gedichte. – Basel und Leipzig 1922 (294) An*, S. 25; Zwölfuhrgefühl, S. 28; Entsündigung, S. 30; Aus dem Tagebuch eines Pferdes, S. 49
Literatur: KUNISCH (Yvan Goll)

 

CATHARINA REGINA VON GREIFFENBERG (1633-1694)
S. 91-95

Werke: Tugend-übung/Sieben Lustwehlender Schäferinnen (1658). In: Sieges-Seule der Buße und des Glaubens. Nürnberg 1675 (1a) Gegen Amor*, S. 348
Geistliche Sonette, Lieder und Gedichte. – Nürnberg 1662. Reprograf. Nachdruck: Darmstadt 1967 Gott-lobende Frülings-Lust, S. 225; Auf die Fruchtbringende Herbst-Zeit, S. 243; Über mein unaufhörliches Unglück, S. 51; Auf die ruhige Nacht-Zeit, S. 381
Literatur:H.-J. Frank, Catharina Regina von Greiffenberg. Leben und Werk der barocken Dichterin. – Göttingen 1967; U. Herzog, Literatur in Isolation und Einsamkeit. Catharina Regina von Greiffenberg und ihr literarischer Freundeskreis. In: Deutsche Vierteljahresschrift 45 (1971), S. 515-546; P. Daly, Dichtung und Emblematik bei Catharina Regina von Greiffenberg. – Bonn 1975; ADB, NDB, SCHRIFT-STELLER-LEXIKON


415

KAROLINE VON GUNDERODE (1780-1806)
S. 159-163

Werke: Gesammelte Dichtungen. Herausgegeben von Elisabeth Salomon. – München 1923
Gesammelte Werke. 3 Bde. s92~I922. – Reprograf. Nachdruck: Bern 1970
Die Nachtigall, III, S. 69; Einstens lebt ich süßes Leben, III, S. 11-13; Hochroth, III, S. 10; Die eine Klage, II, S. 14; Die Töne, III, S. 9-10; Der Caucasus, II, S. 19
Literatur: Bettina von Arnim, Die Günderrode. 2 Bde. 1840; wiederabgedruckt in: Bettina von Arnim, Sämtliche Werke. Herausgegeben von W.Oehlke. Bd. 2.1920; Margarete Mattheis, Die Günderrode. Gestalt. Leben. Wirkung. – 1934; A. Neumann, Caroline von Günderrode. – Diss. Berlin 1957; Gisela Dischner, Die Günderrode. In: Bettina von Arnim: Eine weibliche Sozialbiographie aus dem 19. Jahrhundert. -Berlin 1977, S.61-143; ADB, NDB, KOSCH

 

EMMY HENNINGS (1855-1948)
S. 305

Emmy Ball-Hennings
Werke: Die letzte Freude. – Leipzig 1913 (Der jüngste Tag. Nr. 5) (294)
Helle Nacht. Gedichte. – Berlin 1922 (12) Traum, S. 45
Literatur: NDB (Hugo Ball), KOSCH, KUNISCH

 

RICARDA HUCH (1864-1947)
S. 333-335

Werke: Gedichte, Dramen, Reden, Aufsätze und andere Schriften. Herausgegeben von Wilhelm Emrich. – Köln, Berlin 1971 (Gesammelte Werke. Bd. 5)
Mein Herz mein Löwe (1944), S.315; Aus dem 30jährigen Kriege: Frieden, S. 115-116
Literatur: Gertrud Bäumer, Ricarda Huch. In: Gestalt und Wandel. Frauenbildnisse. – Berlin 1939 S. 533-576; NDB, KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON


416

MARIA JANITSCHEK (1860-1927)
S. 239-243

Werke: Irdische und unirdische Träume. Gedichte. – Berlin und Stuttgart 1889 (24, 121)
Ein modernes Weib, S. 19-21
Im Sommerwind. Gedichte. – Leipzig 1895 (16)
Gesammelte Gedichte. Zweite vermehrte Auflage. – Stuttgart, Berlin, Leipzig 1892 (24)
Gedichte. – München 1917
Nächtiges Elend
, S. 78; Die alte Jungfer, S. 48
Literatur: M. Volsansky, Die Lyrik Marie Janitscheks. – Diss. Wien 1951 (Masch.); A. Soergel/C. Hohoff, Dichtung und Dichter der Zeit. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart. 2 Bde. – Düsseldorf 1961.1963, Bd. 1; KOSCH

 

ANNA LOUISA KARSCH (1722-1791)
S.135-141

Werke: Auserlesene Gedichte. – Berlin 1764. Reprograf. Nachdruck: Stuttgart 1966
An den Dohmherrn von Rochow, S. 110-112; An Gott, S. 3-6; Das Harzmoos, S. 339-340
Gedichte. Nach der Dichterin Tode nebst ihrem Lebenslauff herausgegeben von Ihrer Tochter C L.v. Kl[enke]: geb: Karschin. – Berlin 1792 (5)
Lob der schwarzen Kirschen, S. 125-126
Literatur: E. Hausmann, Die Karschin. Friedrich des Großen Volksdichterin. Ein Leben in Briefen. – Frankfurt/M. 1933 (Darin: Aus dem Briefwechsel mit Gleim, S. 399, 404-405) I. Molzahn, Die Karschin. Eine 'Schlesische' Nachtigall. In: SCHLESIEN 10 (1965), S. 76-80; ADB, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

MARIE LUISE KASCHNITZ (1901-1974)
S. 373-375

Marie Luise Freifrau von Kaschnitz-Weinberg
Werke: Neue Gedichte. – Hamburg 1957
Die Katze, S. 26-27
Dein Schweigen – Meine Stimme. Gedichte 1958-1961. – Hamburg 1962
Nur die Augen, S. 94
Kein Zauberspruch. Gedichte. – Frankfurt 1972 Frauenfunk, S. 22
Literatur: NDB, KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES


SARAH KIRSCH (1935)
S. 405-407

Werke: Landaufenthalt. Ebenhausen bei München 1969/1977
Der Droste würde ich gern Wasser reichen, S. 66
Zaubersprüche. – Ebenhausen bei München 1974
Sieben Häute, S. 9
Rückenwind. – Ebenhausen bei München 1977 Raubvogel, S. 74
Literatur: ENDRES

 

GERTRUD KOLMAR (1894-1943?)
S. 321-327

Gertrud Chodziesner
Werke: Das lyrische Werk. Herausgegeben von Friedhelm Kemp. – München 1960
Die Dichterin, S. 9; Die Troglodytin, S. 39; Die gelbe Schlange, S. 213; Asien (gekürzt), S. 590-592
Literatur: Hans Byland, Zu den Gedichten Gertrud Kolmars. – Diss. Zürich 1971; KOSCH, KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

HERTHA KRÄFTNER (1928-1951)
S. 359-361

Werke: Warum hier? Warum heute? Gedichte, Skizzen, Tagebücher, ausgewählt und herausgegeben von Otto Breicha und Andreas Okopenko. – Graz 1963 (170) 1977
Betrunkene Nacht, S. 63; Doffabend, S. 40; Wer glaubt noch, S. 51
Literatur: Paul Hühnerfeld, Hertha Kräftner. In: Zu Unrecht vergessen. Anthologie. Herausgegeben von Paul Hühnerfeld. – Hamburg 1957, S. 337-355

 

MARGARETHA SUSANNA VON KUNTSCH (1651-1716)
S. 101-105

Werke: Sämtliche Geist- und weltliche Gedichte. Nebst einer Vorrede von Menantes. Halle im Magdeburgischen 1720 (7) (Neudruck in Vorbereitung)
Auf den Tod des fünftgebornen Söhnleins, den kleinen Chrisander, oder C. K. den 22. November 1686*, S. 106-108; An einen guten Freund / welcher mit der Königin Anna Exempel der Weiber Unbeständigkeit beweisen wollte, S.271-273


418

ISOLDE KURZ (1853-1944)
S. 249-255

Werke: Gedichte. – 1888, Zweite vermehrte Auflage 1891
Neue Gedichte. – 1905
Gesammelte Werke. 6 Bde. – München 1925. Bd. I: Gedichte
Panik, S. 172-173; Nein, nicht vor mir im Staube knien, S. 195; Geister der Windstille, S. 149-153; Landregen, S. 212-213; Purpurne Abend-röte, S. 222
Literatur: Gertrud Bäumer, Isolde Kurz. In: Gestalt und Wandel.
Frauenbildnisse. – Berlin 1939, S. 527-537; Charlotte Nennecke, Die Frage nach dem Ich im Werk von Isolde Kurz. Ein Beitrag zum Weltbild der Dichterin. – Diss. München 1957; KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON ELISABETH

 

ELISABETH LANGGÄSSER (1899-1950)
S. 349-353

Werke: Gedichte. – Hamburg 1959 (Gesammelte Werke, ohne Bandnr.) Frühling 1946, S. 158; Daphne an der Sonnenwende, S. 162; Sommerende, S. 167
Literatur: KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

BERTA LASK (1878-1967)
S. 299-303

Werke: Stimmen. Gedichte. – Hannover 1919 (Die Silbergäule. Eine neue Bücherreihe, Nr.13/14) (35) Die jüdischen Mädchen, S. 26-28; Die gemake Madonna spricht, S. 15
Rufe aus dem Dunkel. Auswahl 1915-1921. – Berlin 1921(294) Selbstgericht, S. 17
Literatur: SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

ELSE LASKER-SCHÜLER (1869-1945)
S. 293-297

Werke: Gedichte. 1902-1943. Herausgegeben von Friedhelm Kemp. -München 1959 (Gesammelte Werke, Bd. 1)
Urfrühling (1902), S. 23; Weltschmerz (1917), S. 94; Ein aker Tibetteppich (1911), S. 164; Mein stilles Lied (1911), S. 285; Es kommt der Abend (1943), S.342
Literatur: Lasker-Schüler. Ein Buch zum 100. Geburtstag der Dichterin. Herausgegeben von Michael Schmid. – Wuppertal 1969; Dieter Bänsch, Else Lasker-Schüler. Zur Kritik eines etablierten Bildes. -Stuttgart 1971; Sigrid Bauschinger, Else Lasker-Schüler. – Heidelberg 1980; KOSCH, KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON


419

CHRISTINE LAVANT (1915-1973)
S. 355-357

Christine Habernig
Werke: Die Bettlerschale. Gedichte. – Salzburg 1956
Die Angst*; S. 52; Sind das wohl Menschen*; S. 84; Sag mir ein Wort*, S. 105
Spindeln im Mond. – Salzburg 1959
Der Pfauenschrei. – Salzburg 1962
Literatur: KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES

 

THEKLA LINGEN (1866-1931)
S. 275-277

Werke: Am Scheideweg. – Berlin und Leipzig 1898, Zweite vermehrte Auflage 1900 (38)
Ehe, S. 9; Forderung, S. 82; Mutter, S. 93
Aus Dunkel und Dämmerung. – Berlin und Leipzig 1902 (6)
Winterwanderung, S. 11; Die Befreite, S. 76

 

PAULA LUDWIG (1900-1974)
S. 315-319

Werke: Die selige Spur. – München 1920 (Die neue Reihe 22) (6)
Der himmlische Spiegel. – Berlin 1927 (12)
An meinen Sohn, S. 52; Wärme, S. 38
Dem dunklen Gott. – Dresden 1932 – Neudruck: 1974
Seit ich dich liebe, S. 73
Gedichte. – Hamburg 1937 (Das Gedicht. Blätter für Dichtung. Jg.3. 1936/37. F. 13/14) (6)
Späte Früchte, ohne Seitenangabe; Irdisches Osterlied, ohne Seitenangabe
Gedichte. Eine Auswahl aus der Zeit von 1920-1958. – München [1958]
Literatur: KUNISCH

 

FRIEDERIKE MAYRÖCKER (1924)
S. 369-371

Werke: Tod durch Musen. Poetische Texte. Nachwort Egon Gomringer. – Darmstadt 1973
Manchmal bei irgendwelchen zufälligen Bewegungen, S. 48; Ode an die Vergänglichkeit, S. 86-87
Literatur: ENDRES


420
SOPHIE MEREAU (1770-1806)
S. 149-151

Werke: Gedichte. 2 Bde. Berlin 1800. 1802 (51)
Feuerfarb, I, S. 67-69; An einen Baum am Spalier, I, S. 15
Literatur: Sophie Mereau, Kalthiskos. Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1801-1802. Mit einem Nachwort von Peter Schmidt. Heidelberg 1972
Literatur: ADB, KOSCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

CLARA MÜLLER (1861-1905)
S. 259-263

Clara Müller-Jahnke
Werke: Mit roten Kressen. Ein Gedichtbuch. – Großenhain 1899 (Ia)
Fabrikausgang, S. 52
Sturmlieder vom Meer. – Stuttgart 1901 (24)
Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Oskar Jahnke. 2 Bde. -Goslar 1907
Den Ausgesperrten, I, S. 51-52
Literatur: S. F. Mehring, Clara Müller-Jahnkes Gedichte. In: Gesammelte Schriften. Bd. 2. – Berlin 1961; Clara Zetkin, Eine Dichterin der Freiheit. In: Die Gleichheit. Nr.7.1899, S.52; SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

MARIE VON NAJMÁJER (1844-1904)
S. 225-227

Werke: Schneeglöckchen. -Wien 1868 (30)
Gedichte. Neue Folge. – Wien 1872 (30)
Neue Gedichte. – Stuttgart 1891 (24)
Sappho, S. 123-124; Einer Griechin, S. 18
Literatur: Karl Schrattenthal, Die deutsche Frauenlyrik unserer Tage. Mitgabe für Frauen und Töchter gebildeter Stände. – Leipzig 1892, S.82-86

 

DAGMAR NICK (1926)
S. 377-379

Werke: Märtyrer. Gedichte. – München 1947
Das Buch Holofernes. – Gedichte. – München 1947
In den Ellipsen des Mondes. Gedichte. – Hamburg 1959
Zeugnis und Zeichen. Gedichte. – München 1969
An eine dlffamierte Dame, S. 38; Genesis 3, 14, S. 39
Literatur: biographische Angaben siehe: Zeugnis und Zeichen


421
HELGA NOVAK (1935)
S. 397-403

Werke: Ballade von der reisenden Anna. – Neuwied und Berlin 1965
Generalstränen, S. 46
Balladen vom kurzen Prozeß. – Berlin 1975
Ballade von der kastrierten Puppe, S. 15-20
Literatur: ENDRES

 

LOUISE OTTO (1819-1895)
S. 207-211

Louise Otto-Peters Werke: Gedichte. – Leipzig 1868 (34)
Mein Lebensgang. – Gedichte aus fünf Jahrzehnten. – Leipzig 1893 (31)
Klöpplerinnen, S. 6l-62; Für alle, S. 262-264; Geständnis, S. 166-167
Literatur: Gertrud Bäumer, Gestalt und Wandel. Frauenbildnisse. – Berlin 1939, S. 312-348; L. Mallachow, Biographische Erläuterungen zu dem literarischen Werk von Louise Otto-Peters. In: Weimarer Beiträge 9, H. I (1963); SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

 

ANNA OVENA HOYERS (1584-1655)
S. 75-81

Werke: Geistliche und weltliche Poemata. – Amsteldam 1650 (7) (Neudruck 1985)
Auff / auff Zion, S. 216-219; Liedlein von den Gelt-liebenden Welt Freunden, S. 294-298
Literatur: Adah Blanche Roe, Anna Owena Hoyers. A poetess of the seventeenth century. – Diss. Bryn Mawr, Penns. 1915; J. Fries, Die deutsche Kirchenlieddichtung in Schleswig-Holstein im 57. Jahrhundert. – Diss. Kiel 1962

 

BETTY PAOLI (1815-1894)
S. 175-179

Elisabeth Glück
Werke: Gedichte. – Pesth 1841 – Zweite vermehrte Auflage, 1845 (6)
Einem Weltling, S. 182-183; Ich, S. 178-179
Nach dem Gewitter. Gedichte. – Pesth 1843 – Zweite um die Hälfte vermehrte Auflage, 1850 (5)
Censor und Setzer, S. 264-266
Gedichte. Auswahl und Nachlaß. Herausgegeben von Marie von Ebner-Eschenbach. – Stuttgart 1895 (43)
Literatur: Österreichisches Biographisches Lexikon. 1815-1850. Bd. 2. – Graz, Köln 1959, S. 11-12; ADB


422
ELISABETH PAULSEN (1879-?)
S. 285-291

Werke: Jungfrauenbeichte. Gedichte. – 1908 (nicht beschaffbar)
Leben sagenhaft. Dichtungen. – Hagen i.W. 1913
Literatur: Julia Virginia, Frauenlyrik unserer Zeit. – Berlin 1907 (Darin: Gedichte an eine Frau, S. 145-149); Neue deutsche Rundschau 18 (1907) (Darin: Die Amazone, S. 883-884); Herz zum Hafen. Frauengedichte der Gegenwart. Herausgegeben von Elisabeth Langgässer unter Mitwirkung von Ina Seidel. – Leipzig 1933 (Darin: Einer weiß um mich, S. 80)

 

LOUISE VON PLÖNNIES (1803-1872)
S. 185-193

Werke: Gedichte. – Darmstadt 1844 (21, 36)
Tinctura thebaica, S. 219-221; Zwei Bäume, S. 6-7; Auf der Eisenbahn, S. 182; Glas, S. 55-60
Literatur: Heinrich Kurz, Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller. 4 Bde. Vierte berichtigte Auflage. – Leipzig 1881, Bd. 4, S. 218-222; ADB

 

RENATE RASP (1935)
S. 393-395

Werke: Eine Rennstrecke. Gedichte. – Köln, Berlin 1969
Vorläufig, S. 9; Russisch Leder, S. 28; Bildnis, S. 60
Literatur: ENDRES

 

IDA VON REINSBERG-DÜRINGSFELD (1815-1876)
S.181-183

Werke: Für Dich. Lieder. – Breslau 1851, 21865 (nicht beschaffbar)
Literatur: Heinrich Kurz, Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller. 4 Bde. Vierte berichtigte Auflage. – Leipzig 1881 (Darin: An Georges Sand, Bd. 4, S. 102); ADB


423

NELLY SACHS (1891-1970)
S. 345-347

Werke: Fahrt ins Staublose. Frankfurt 1961
An Euch, die das neue Haus bauen, S. 9; O der weinenden Kinder der Nacht, S. 10; Suche nach den Lebenden. – Frankfurt 1971 Einsamkeit, S. 21
Literatur: Gisela Bezzel-Dischner, Poetik des modernen Gedichts. Zur Lyrik von Nelly Sachs. Frankfurter Beiträge zur Germanistik 10. -1970; Peter Sager, Nelly Sachs. – Diss. Bonn 1970; KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON, ENDRES

 

SIBYLLA SCHWARZ (1621-1638)
S. 83-89

Werke: Deutsche Poetische Gedichte. Herausgegeben und verlegt durch M. Samuel Gerlach. – Danzig 1650 (1) –
Anderer Teil Deutscher Poetischer Gedichte. – Danzig 1650 (II) (23, 30) (Neudruck 1980)
Auff ihren Abscheid auß Greiffswald, I, XLVIII-XLIX; Ist Lieb ein Feur II, ohne Seitenangabe; Lied, II, ohne Seitenangabe; Ein Gesang wieder den Neidt (gekürzt), I, S. VI-X
Literatur: Christoph Hagen, Himmlische Hochzeit-Predigt auf der Seligen und fröhlichen Heimfahrt Der Jungfrauen Sibyllen Schwartzin Begräbnis 3. August 1638. Greifswald 1638; Critische Versuche. Greifswald 1741/42, Bd. 1, S.133-157 (Rezension der Deutschen Poetischen Gedichte); Helmut Ziefle, Sibylle Schwarz. Leben und Werk. – Bonn 1975

 

FRANCISCA STOECKLIN (1894-1931)
S. 311-313

Werke: Gedichte. – Bern 1920 (Schweizer Landesbibliothek Bern)
Im Traum, S. 23
Die singende Muschel. Neue Gedichte. – Zürich, Leipzig, Berlin [1925]; ohne Seitenangahe (12)
Die singende Muschel, An ein Mädchen, An eine Orange
Literatur: KOSCH

 

LULU VON STRAUSS UND TORNEY (1873-1956)
S. 245-247

Werke: Balladen und Lieder. – Jena 1902
Neue Balladen und Lieder. – Jena 1907
Reif steht die Saat. – Jena 1926, 1936
Hertje von Horsbüll (1902), S. 108; Grüne Zeit, S. 162
Literatur: KUNISCH, SCHRIFTSTELLER-LEXIKON


424
JOHANNE CHARLOTTE UNZER (1725-1782)
S. 129-133

Werke: (Anonym) Versuch in Scherzgedichten. – Halle 1751 (7)
Die Sommernacht, S. 17-19
(Anonym) Versuch in Scherzgedichten. Zweyte, veränderte und vermehrte Auflage. – Halle 1763 (45)
Nachricht, S. 46; Der Sieg der Liebe, S. 39-41
(Anonym) Versuch in Scherzgedichten. Dritte, veränderte Auflage. -Halle 1766 (70)
Versuch in sittlichen und zärtlichen Gedichten. – Halle 1754 (61, 45); Halle 1766 (Neudruck in Vorbereitung)
Die Ruhe, S. 78-79
Fortgesetzte Versuche in sittlichen und zärtlichen Gedichten. – Rinteln 1766 (45)
Literatur: Thomas Gehring, Johanne Charlotte Unzer-Ziegler. 1725-1782. Ein Ausschnitt aus dem literarischen Leben in Halle, Göttingen und Altona. – Bern, Frankfurt/M. 1973 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 1. Bd. 78.); ADB, KOSCH

 

SIDONIA HEDWIG ZÄUNEMANN (1714-1740)
S. 121-127

Werke: Poetische Rosen in Knospen. – Erfurt 1738 (7, 22)
Andächtige Feld- und Pfingst-Gedanken (gekürzt), S. 117-127; Über die Wiege eines Kindes, S. 628; Das unter Gluth und Flammen ächzende ERFURT, Den 21ten Oct. 1736 (gekürzt), S. 538-547; Jungfern – Glück*, S. 497-498
Die von denen Faunen gepeitschte Laster. – Frankfurt und Leipzig 1739 (21)
Literatur: Göttingische Zeitungen von Gelehrten Sachen. 10. Stück Febr. 1741, S. 78-80 (Todesnachricht); S. Cassel, Erfurt und die Zäunemannin. In: Weimarisches Jahrbuch für Deutsche Sprache, Litteratur und Kunst. Bd. 3 (1855), S. 426-57; G. Brinker-Gabler, Das weibliche Ich. Überlegungen zur Analyse von Werken weiblicher Autoren mit einem Beispiel aus dem 18. Jahrhundert: Sidonia Hedwig Zäunemann. In: Die Frau als Heldin und Autorin. Neue kritische Ansätze zur deutschen Literatur. 10. Amherster Kolloquium zur Deutschen Literatur. – Bern 1979; ADB, KOSCH


425
SUSANNA ELISABETH ZEIDLER (um 1686)
S. 97-99

Werke: Jungferlicher Zeirvertreiber. Das ist Allerhand Deudsche Gedichte / Bey Häußlicher Arbeit / und Stiller Einsamkeit verfertiget und zusammen getragen. – Leipzig 1686 (35) (Neudruck in Vorbereitung)
An einen bekannten Freund (gekürzt), S. 55-57; Beglaubigung der Jungfer Poeterey, S. 31

 

CHRISTIANA MARIANA VON ZIEGLER (1695-1760)
S. 113-119

Werke: Versuch in gebundener Schreib-Art. – Leipzig 1728 (43)
Vermischete Schriften in gebundener und ungebundener Rede. – Göttingen 1739 (38)
Das männliche Geschlecht, im Namen einiger Frauenzimmer besungen (gekürzt), S. 67-71; Als sie ihr Bildniß schildern sollte, S. 293-294; Auf einen schönen und artigen Papagoy, S. 297-298; Ode, S. 116-117; Die Dichterin und die Musen*, S. 295-296
Literatur: Philipp Spitta, Christiane Mariane (!) von Ziegler und J. S. Bach. In: Zur Musik. Sechzehn Aufsätze. – Berlin 1892, S. 97-118; ADB, KOSCH

 

HEDDA ZINNER (1905)
S. 329-331

Werke: Fern und nah. Gedichte und Lieder. – Weimar 1947 (61)
Deutsches Volkslied 1935, S. 23 (Erstdruck in: Zwei Welten. Monatsschrift zum Studium der deutschen Sprache. Moskau. Jg. 6 (1935), Nr. 5, S. 26)
Literatur: SCHRIFTSTELLER-LEXIKON

KATHINKA ZITZ-HALEIN (1801-1877)
S. 213-217
Werke: Herbstrosen in Poesie und Prosa. – Mainz 1846 (77)
Farbenwechsel, S. 233-234
Dur- und Molltöne. Neuere Gedichte. – Mainz 1859 (36)
Jeanne Manon Philipon-Roland, S. 214-215; Vorwärts und Rückwärts, S. 79-80; Für einen übertreibenden Deutschthümler, S. 300 Literatur: ADB

Search | Site Index | About Us | Contact
© 2006 BYU Dept. of Humanities